MAGAZIN | Pflege

Skandal: Pflege-Mindestlohn 8.50 West, 7.50 Ost

29.03.2010, von Labournet/Hanne Schweitzer
Hué, Vietnam, 29.1.2007 Foto:Hanne Schweitzer

Das Bundesarbeitsministerium hat seine Empfehlung zur Höhe des Mindestlohns in der Pflege abgegeben. Eine Kommission hatte deshalb sechs Monate lang getagt. Die "Empfehlung", die dabei herauskam, beinhaltet selbstverständlich die Möglichkeit eines noch niedrigeren Stundenlohns.

Der künftige Mindestlohn in der Pflegebranche, die laut FAZ ein Marktvolumen von 27 Milliarden Euro für die stationäre und ambulante Pflege umfasst, wird von ver.di vorab mit folgenden Worten gefeiert: "Pflegemindestlohn macht Schluss mit Lohndumping". Auch die Wohlfahrtsverbände haben an der Höhe des empfohlenen Mindestlohns nichts auszusetzen. “Wir sind froh, dass mit diesem Verhandlungsergebnis nun endlich Mindeststandards auch für Hilfskräfte in der Pflege gesetzt werden", sagte Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik.

Ein Stundenlohn von acht, bzw. 7 Euro fünfzig für die Pflege ist ein Skandal. Bei den Gebäudereinigern liegt der Mindestlohn in der untersten Lohngruppe seit dem 10.3.2010 in Westdeutschland bei 8,40 EUR pro Stunde. Ab 01.Januar 2011 steigt er - in der untersten Lohngruppe - auf 8,55 Euro. In der besten Lohngruppe werden 11,50 Euro gezahlt. Wir lernen: In diesem Staat wird das Putzen von Fenstern und anderen Gegenständen besser bezahlt als das Sichkümmern um Menschen.


„Für etwa 800.000 Beschäftigte in der Alten- und ambulanten Krankenpflege soll es noch in diesem Jahr einen flächendeckenden Mindestlohn geben. Eine vom Bundesarbeitsministerium eingesetzte Kommission empfiehlt verbindliche Lohnuntergrenzen von 8,50 Euro im Westen und 7,50 Euro im Osten Deutschlands…“
Artikel von Rainer Woratschka in Der Tagesspiegel vom 25.3.2010http://www.tagesspiegel.de/wirts chaft/;art271,3066394

„Es ist die von der Beschäftigtenzahl her größte Branche, mit weiterem Wachstumspotenzial. Es ist eine für den humanen Umgang miteinander wichtige Branche. Und es ist ein Zweig mit Menschen, die viel leisten, aber nur wenig dafür bekommen. Genug gerätselt, es handelt sich um die
Pflegeberufe. Ob im Altenheim (das ab einer bestimmten Preisklasse Senioren-Stift heißt) oder in der ambulanten Pflege per Stoppuhr (Hilfe beim Gang ins Bad: zwei Minuten 16 Sekunden): Pflegekräfte, die ihren Beruf ernst nehmen, sind unterbezahlt und überfordert…“
Kommentar von Roland Bunzenthal in der Frankfurter Rundschau vom 26.03.2010 http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/ aktuell/2466971_Kommentar-Human-pflegen.html

„Gewerkschaftsinterne Kritik bei ver.di am Tarifabschluss öffentlicher Dienst reißt nicht ab. Führende Gewerkschaftslinke in ver.di kritisieren in einem Papier den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst und fordern eine »Aufarbeitung« der defensiven Haltung in der Tarifrunde. Innerhalb der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di reißt die Kritik an den Ergebnissen der letzten Tarifrunde im öffentlichen Dienst nicht ab. So fühlt sich die »Unabhängige Betriebsgruppe am Klinikum Bremen-Mitte« von »ver.di verkauft«…“
Artikel von Peter Nowak im Neues Deutschland vom 26.03.2010 http://www.neues-deutschland.de/artikel/167888.nic ht-auf-unserem-ruecken.html

Wo bleibt die Kritik der "Führende(n) Gewerkschaftslinke(n) in ver.di" an der Mindestlohnempfehlung für die Pflege? Wo bleibt die "Gewerkschaftsinterne Kritik bei ver.di"?

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=3363
Quelle: Labournet, 30.3.2010/Büro gegen Altersdiskriminierung

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