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Rente reicht nicht: RentnerInnen müssen arbeiten

22.10.2009 - von V. , Gerd Feller

Altersarmut: Immer mehr Jobber sind Rentner. Darauf haben die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufmerksam gemacht. Sie sprechen von einer "alarmierenden Entwicklung" und nennen Fakten: In den vergangenen Jahren habe die Zahl der Rentner mit Mini-Jobs um rund 29 Prozent zugenommen. Schon 2003 verdienten 559.203 Rentner durch eine geringfügige Beschäftigung dazu. 2007 gab es bereits 722.953 Renten-Jobber. ver.di und NGG berufen sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.
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„Tausende Bremer Rentner müssen arbeiten“ – das war die Überschrift eines Beitrags auf der Titelseite einer Bremer Tageszeitung, des „Weser-Kurier“ vom 13. Oktober 2009. Es wurde darauf hingewiesen, dass innerhalb von vier Jahren die Zahl der Rentner mit Minijob um fast 40% gestiegen sei. Noch 2003 arbeiteten 4.254 Bremer Rentner in Minijobs, 2007 waren es bereits 5.909. Die Zahlen stützen sich auf eine Sonderabfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes bei der Bundesagentur für Arbeit.
Bremen soll inzwischen, bezogen auf die Einwohnerzahl, das Bundesland mit den meisten Minijobbern sein. Aber wir müssen leider feststellen, dass die Zahlen weiterhin ansteigen werden, nicht nur in Bremen und nicht nur, weil sich SeniorInnen in größerer Zahl als früher noch fit und arbeitsfähig fühlen.
Bisher waren wohl überwiegend Frauen betroffen, z. B. diejenigen unter ihnen, die in der Vergangenheit als Mütter und Hausfrauen ihre Kinder selbst großgezogen und ihre Familien versorgt haben und nun mit einer kleinen Witwenrente auskommen müssen. Oder diejenigen, die als Singles oder Alleinerziehende durch die wirtschaftliche Entwicklung nur periodisch in Arbeit standen, nur geringe oder keine Rücklagen bilden konnten und nur Anspruch auf eine für heutige Verhältnisse viel zu niedrige Rente haben. In Zukunft werden auch vermehrt Männer gezwungen sein, im Rentenalter einen Zuverdienst zu erwerben, da die Zeiten kontinuierlich ablaufender Arbeitsbiographien und von Löhnen, die zumindest die unverzichtbaren Lebenshaltungskosten abdecken, anscheinend vorbei sind. Außerdem muss man mit Rentenkürzungen, Minderungen der Sozialhilfe und weiteren Preissteigerungen rechnen. Wer keine privaten Altersrücklagen schaffen und von seiner Rente nicht mehr leben kann, wird sich Alters-Arbeit suchen müssen. Aber, wird es genügend Arbeitsplätze geben, wo und unter welchen Bedingungen? Wie helfen sich die Menschen, die aus Altersgründen nicht mehr arbeitsfähig sind?
Die Bremer Senioren-Vertretung hält diese Entwicklung für eine Form von Altersdiskriminierung. Ist es nicht peinlich und unwürdig, wie eine Industrienation mit hohem Lebensstandard wie die Bundesrepublik mit vielen ihrer alten Menschen umgeht? Aber in einem rein ökonomisch ausgerichteten Staat, in dem Egozentrik, Ellbogenfreiheit, Karriere, Geld, Zugehörigkeit zur High Society, Abzockerei und „Mehr scheinen als sein“ die Werteskala bestimmen, gilt eben in Abwandlung eines Schiller-Zitats die Devise: „Die Alten haben ihre Arbeit getan, die Alten können gehen!“ Die Jüngeren sollten nie vergessen, dass sie auch einmal alt sein werden, und sich rechtzeitig darauf einstellen.
Gerd Feller, Senioren-Vertretung Bremen

siehe dazu: Rentenalter in den USA Link
und Aufruf vom Büro gegen Altersdiskriminierung aus dem Jahr 2004
alt=http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/aktionen/april-alter.html

>Link

Quelle: Mails an die Redaktion

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