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Köln: Der siebte Kontinent. Reise zur größten Mülldeponie der Erde

22.06.2017

Im Dezember 2016 wird ein Joghurtbecher am Strand gefunden. Die Besonderheit: Er stammt aus dem Jahr 1976 und sieht fast aus wie neu. In dieser Begebenheit spiegelt sich eines der größten Umweltdramen des 20. und 21. Jahrhunderts: Gerade das Material, das einst die größte Zukunftsverheißung darstellte, sorgt nun für eine ökologische Katastrophe von weltweiten Ausmaßen. Plastik – jener Stoff, den jeder braucht, aber niemand mag – will einfach nicht verrotten.

In den Weltmeeren haben sich in den letzten Jahrzehnten fünf riesige Strudel aus Mikroplastik und Kunststoffmüll gebildet, deren größter zwischen Kalifornien und Japan liegt und mittlerweile die Fläche Indiens übersteigt. Über diesen „siebten Kontinent“ wird viel berichtet – aber vermögen es die Bilder verschmutzter Strände und verendender Albatrosse mit Plastikresten im Magen die Menschen in gleichem Maße zu erschrecken wie die Zerstörung des Regenwalds oder das Abschmelzen der Polarregion?

Jan-Christoph Gockel und sein Team machten sich auf, um den great pacific garbage patch selbst in Augenschein zu nehmen: Im März flogen sie in die Mitte des Pazifiks und besuchten Kamilo Beach, den schmutzigsten Strand Hawaiis. Von dort brachten sie Geschichten der Betroffenen mit, die sie mit Recherche-Ergebnissen aus Interviews, die in Deutschland und Ghana geführt wurden, zu einem multiperspektivischen Bild der globalen Verwertungsketten von Müll verwoben haben. Zu Wort kommen Müllarbeiter, Seefahrer, Umweltschützer, Plastik-Mogule sowie einsame Idealisten, die sich von der Größe des „siebten Kontinents“ nicht abschrecken lassen und der maritimen Müllkippe den Kampf angesagt haben. Einige davon werden im Laufe der Vorstellungen als Experten für plastikbezogene Themen auftreten und mit den Performern interagieren und diskutieren.
Beim africologneFESTIVAL ist Laurie Macpherson aus Simbabwe zu Gast. Sie macht aus Abfall, u.a. Plastik, außergewöhnliche Kunstprojekte. Ihren Midway-Bird fliegen wir nach Köln ein und lassen ihn auf unseren Plastikvogel prallen.

Jenseits der praktischen Fragen, steht aber auch die mythische Ebene der Kunststoffe im Fokus. Schließlich ist die Geschichte des 20. Jahrhunderts mit kaum einem anderen Material so dämonisch verbunden wie mit Plastik. Das unzerstörbare Material, das jede Form annehmen kann, galt einst als Startbahn in eine bessere Zukunft – nun gemahnt es die Menschen, als schwimmendes schlechtes Gewissen aus Müll, an die Hybris ihrer Wünsche. An diesem Punkt setzen Gockel und sein Team an und untersuchen, wie die Verheißungen des Plastiks zum Albtraum umschlagen konnten – und was man nun dagegen unternehmen kann.

Inszenierung Jan-Christoph Gockel
Ausstattung Julia Kurzweg
Puppenbau Michael Pietsch
Dramaturgie Kerstin Ortmeier, René Michaelsen
Video Christian Hennecke
Regieassistenz Lisa Anetsmann
Mit Lilith Häßle, Sébastien Jacobi
Gast Laurie Macpherson / Own you Rubbish, Harare
Eine Produktion von Theater im Bauturm und Staatstheater Mainz in Koproduktion mit africologneFESTIVAL.
Das Programm des africologne Festivlas unter: Link


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