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Plantur 39 wirbt mit Angst vor dem Älterwerden

22.01.2008 - von Hanne Schweitzer

Gefällige Werbung gibt sich inzwischen demografiebewußt. Anlass dafür ist die Tatsache, dass sich ältere Konsumenten mit den 20jährigen Models der Werbeindustrie nicht länger identifizieren mochten ebenso, wie der Fakt, dass die in Zukunft sinkende Zahl junger Konsumenten zwangsläufig den Focus auf die älteren gelenkt hat.

Viele "Altersbilder", die im bejubelten "silver market" kreiert werden, docken - wie Epiphyte - an der Angst vor dem Älterwerden an.
Die Firma Wolff z.B. wirbt unter dem Namen "Plantur 39" für eine Produktserie zur Haarpflege. Zuerst erinnert die ergänzend an den Produktnamen angehängte Zahl "39" an eine Seriennummer. Da die Produkte der Serie aber mit dem Zusatz "für das Haar ab 40" beworben werden, outet sich die "39" als Zahl, die sich auf das Lebensalter bezieht.

Frau soll ihre Haare mit "Plantur 39" waschen und cremen, so das Werbeargument, weil jenseits des 39. Lebensalters, also ab 40 der Östrogenspiegel sinkt. Und dann geht es mit den Haaren bergab. Die Menopause droht, was von Übel ist, denn "in der Menopause gerät der Hormonhaushalt einer Frau aus dem Gleichgewicht und stört das Haarwachstum. ... Die Folge: Das Haar wird dünner, fällt vorzeitig aus, die Kopfhaut wird sichtbar, der Haaransatz geht zurück."

Menopause mit 40? Das mag vorkommen, in der Regel hört die Regelblutung aber jenseits der 55 auf. Der fälschlich behauptete Eintritt der Menopause jenseits des 39. Lebensjahrs wird mit Hilfe der Verwendung neutraler Begriffe scheinbar seriös unterfüttert: Da ist von "Testosteron" die Rede, von "Hormonen", von der "Menopause, von "Östrogenen".

Geschürt wird die Angst vor dem Unbekannten, die Angst vor dem Älterwerden, die Angst vor dem Verlust von Attraktivität. Was hätte Rapunzel ohne ihre Haare gemacht?
Nur mit vielen Haaren, nicht aber mit ausgedünntem, spidelligem Haar, durch das gar die Kopfhaut zu sehen ist, oder gar mit männlicher Glatze, kann frau ihren Job behalten, Geld verdienen, das Interesse eines Mannes wecken oder erhalten.

Frau, die "Plantur 39" benutzt, so das Versprechen, kann das angeblich unausweichlich drohende Verschwinden ihrer Haare, sprich ihrer Attraktivität stoppen, sie kann "der hormonbedingten Erschöpfung der Haarproduktion vor[beugen]".

Konserviert wird mit dieser Werbung ein Frauenbild, das an Äußerlichkeiten festgemacht ist. Die Zahl "39" suggeriert eine Altersgrenze für das natürliche Vorhandensein weiblicher Attraktivität. Mit 40 geht`s bergab. Ab 40 droht die Menopause, die als Quelle von Verlust und als biologisches Drama inszeniert wird. Frau kann sich dem nur durch das Waschen ihrer Haare mit einem Shampoo entziehen, das sie auch mit 63 noch beruhigt ins Bad stellen kann: Es steht ja "39" drauf.

Die "Plantur 39" Werbung ist altersdiskriminierend und frauenfeindlich.

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?ID=2268

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