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Daimler: Belegschaft will ihr Geld sehen!

08.10.2009 - von Michael Clauss

Was heute an Geld vorenthalten wird, fehlt morgen an der Rente! Die KollegInnen von Daimler wurden bisher nicht gefragt, ob sie ihre 1.900 Euro Ergebnisbeteiligung in eine „Belegschaftsbeteiligung“ anlegen
wollen oder nicht. Es ist aber
von ihnen verdientes Geld. Mit dem
sehr viele bereits fest gerechnet haben. Und das sie in diesen Zeiten auch kaum in unsichere Papiere anlegen würden. Deshalb darf niemand ohne ihre Zustimmung darüber verfügen!
Die Befürworter der „Belegschaftsbeteiligung“ sagen, so könne die Belegschaft mehr Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen. Das ist wenig überzeugend. Unternehmenspolitik hat ein Ziel: maximale Renditen. Selbst wenn fünf oder 10% der Aktien den Beschäftigten gehören, ändert sich daran nichts.Vorstandspolitik
dient der Vermehrung des eingesetzten Kapitals und sonst
gar nichts. Egal ob es Investmentfonds oder „Belegschafts“-Fonds gehört. Und die Mittel bleiben die gleichen: Arbeitsplatzabbau, Lohnsenkung,
Leistungsverdichtung.
Dagegen helfen aber keine „Beteiligungen“, sondern nur Gegenwehr!
Einfallstor für weitere Kürzungen?
Wer schaut, was bei Opel läuft,
muss heute schon NEIN sagen zu
den Beteiligungsplänen. Dort wird
bereits verhandelt, dass Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Tariflohnerhöhung vom Unternehmen als „Sanierungsbeitrag“ der Belegschaft kassiert und in „Beteiligung“ verwandelt wird. Trotzdem sollen weitere 4500 Arbeitsplätze allein in D. vernichtet werden. Was soll so
eine „Beteiligung“ also positiv für uns bewirken? Nichts. Das Geld, das man für‘s Leben braucht, wird vorenthalten - und die Arbeitsplätze sind trotzdem futsch. Vielleicht fallen auch noch ein paar gut bezahlte Posten ab für die Verwaltung der
„Belegschaftsbeteiligung“, die vorher den KollegInnen abgeknöpft wurde. Auch darauf können wir verzichten!

Die Befürworter der „Belegschaftsbeteiligung“ sagen, sie müsse so gestaltet werden, dass die KollegInnen etwas „davon haben“. Das soll wahrscheinlich heißen, dass ein Modell konstruiert wird, das Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung „spart“. Das führt aber zu sinkenden Beitragseinnahmen. Und hat zur Folge, dass noch mehr „private
Vorsorge“ und Zuzahlungen verlangt
werden. Was in der linken Tasche gespart wird, muss aus der rechten mehr ausgegeben werden. Bloß dass vorher schon Lohnbestandteile nicht in der eigenen Tasche, sondern im
„Mitarbeiterbeteiligungs“-Fonds gelandet sind. Für alle ein schlechtes Geschäft - außer für den Unternehmer.
Deshalb: Auszahlung der Ergebnisbeteiligung – die Belegschaft will ihr Geld sehen!
Die Auszahlung der 1900 Euro Ergebnisbeteiligung wurde im April verschoben, angeblich um das Unternehmen vor der
Zahlungsunfähigkeit zu retten. Vorstandschef Dieter Zetsche sagt jetzt in der Presse, das Unternehmen habe eine Bruttoliquidität von 18 Milliarden. Trotzdem ist nach wie vor offen, ob die Ergebnisbeteiligung ausbezahlt oder in irgendeine Form von „Unternehmens-Beteiligung“ verwandelt wird.

Abzocke geht weiter: Arbeitszeit gekürzt, Weihnachtsgeld gekürzt?!
Kollegen in Arbeitszeitverkürzung
erhalten bekanntermaßen ein um
8,75% gekürztes Monatsentgelt. Das
ist der Firma aber nicht genug: Jetzt sollen diejenigen, die im November in Arbeitszeitverkürzung sind, auch noch das Weihnachtsgeld in entsprechendem
Umfang gekürzt bekommen.Während der größten Krise in der Geschichte von Daimler werden trotz dem formulierten Anspruch
auf „Führerschaft in grüner
Technologie“ weiterhin Unsummen
für Formel 1 ausgegeben.
Auch für mehrere 100.000 € Parteispenden ist genügend Geld da. Nur bei den Beschäftigten wird gnadenlos abgesahnt. Dafür hat keiner mehr Verständnis.
Der Gesamtbetriebsrat verhandelt
zur Zeit mit dem Vorstand über das
Weihnachtsgeld. Bei der Kurzarbeit wurde bei Daimler
das Tarifmodell gewählt, das auf der einen Seite um 1,5%-Punkte niedrigere Aufzahlungssätze, aber dafür keine Reduzierung der Sonderzahlungen beinhaltet. Doppelt kassieren geht nicht. Wir erwarten deshalb auch, dass der Gesamtbetriebsrat die Kürzung des Weihnachtsgelds abwehrt.
Wenn dafür die Unterstützung
der Kollegen notwendig ist, dann
sind diese dazu bereit!

Link

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=3244
Quelle: alternative, Nr. 74 7.10. 2009

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