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Gebührenfinanziertes Trallala: Erst WDR 3 nun DLF

Vietnam, 2008 Foto: H.S.

16.06.2012

Der Rundfunkrat des (gebührenfinanzierten Unternehmens (!)) WDR hat am 30. Mai 2012 für die von der (aus Gebühren bezahlten) WDR-Geschäftsleitung vorgelegten „Reformpläne“ gestimmt. Bei nur drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen haben sich die (aus Gebühren üppig entlohnte) Intendanz und die aus(Gebühren entlohnte Hörfunkdirektion mit ihrem an Unternehmensberatergrundsätzen orientierten Kurs durchgesetzt: Das Kulturprogramm des Radiosenders WDR 3 wird ohne Rücksicht auf Verluste weiter ABgebaut.

So verschwindet das Politische tagsüber aus dem Programm und schrumpft – sieht man von den Nachrichten ab - auf eine Viertelstunde pro Tag. Das Feuilleton „Resonanzen“ soll in Wiederholungen ersticken, anspruchsvolles Feature wird weiter gestrichen und die Programmgruppe „Musik“ zerschlagen. Die Inhalte und Formen eines (mit Gebühren finanzierten) Kulturradios werden Schritt für Schritt auf die Abbildung von Ereignissen reduziert, die Kompetenz und die Entscheidungsmöglichkeiten von Fach- und verantwortlichen, (gebührenfinanzierten) Redakteuren werden noch stärker eingeschränkt. Und die Musik in diesem von Musik geprägten Programm wird deutlich geschwächt.

Vor all dem hat die (nicht gebührenfinanzierte) Inititative "Radioretter" in den vergangenen Monaten gewarnt. Sie hat zudem große Anstrengungen unternommen, anderen Entwicklungen Raum zu verschaffen. Sie hat sorgfältig argumentiert und die Reform-Floskeln detailliert in die bevorstehende Wirklichkeit übersetzt. Sie hat Hunderte von Fragen gestellt, sie hat Alternativen entwickelt und zu Diskussionen geladen. Und sie hat große öffentliche Zustimmung erfahren. Das alles war – bezogen auf die konkreten Abbaupläne für WDR 3 – vergeblich.

Für die „Radioretter“, ist dies Anlass, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Gewiss: wir haben Fehler gemacht. Wir wollten nicht daran glauben, dass die gebührenfinanzierte WDR-Unternehmens-Leitung und der Rundfunkrat ihre Politik gegen den massiven Protest einer breiten, gebührenzahlenden Öffentlichkeit würden durchsetzen wollen. Stillschweigend vertrauten wir darauf, dass begründete Einwände und gute Argumente eine offene Diskussion und Veränderungen nach sich ziehen würden. Wir hielten es nicht für möglich, dass die Mehrheit der Gremienmitglieder kein Interesse daran haben könnte, sich in die Materie einzuarbeiten und sich genügend fundiertes Wissen über Programmabläufe und Inhalte anzueignen, um die Behauptungen der (mit Gebühren entlohnten) WDR-Geschäftsleitung und ihre rhetorischen Taschenspielertricks aus eigener Kraft überprüfen und entlarven zu können. Ebenfalls hielten wir es nicht für möglich, dass sich Gremien wie der Rundfunkrat, die eine gesellschaftliche Kontrolle ausüben sollen, ihrer Verantwortung derart willfährig entziehen würden. In gewisser Hinsicht waren wir also naiv.

Die qualifizierten Unterschriften der (FinanziererInnen und HörerInnen)des WDR3-Programms unter unseren Offenen Brief wurden als Internet-Klicks, die Forderungen nach einem anspruchsvollen Kulturradio als elitär oder gestrig, die Plädoyers für ein Moratorium als unerlaubte (!!!) Einmischung denunziert. Statt öffentliche Auseinandersetzungen um die Zukunft und die Rolle des öffentlich-rechtlichen und (gebührenfinfinanzierten) Rundfunks zu führen, wurde hinter verschlossenen Türen nach Marketingformulierungen gesucht, mit denen den HörerInnen der (selbstverständlich aus Gebühren finanzierte Programmabbau) als ProgrammVERBESSERUNG verkauft werden sollte.

Der Konflikt um (das gebührenfinanzierte Unternehmen) WDR hat Strukturen offengelegt, die den gesellschaftlichen Zustand im Ganzen spiegeln. Die (gebührenfinanzierten) Apparate entziehen sich jeder öffentlichen Kontrolle. Und folgen einer in sich kreisenden Logik angeblich alternativloser Sachzwänge. Begründeter Kritik, Protesten und abweichenden Überlegungen gegenüber zeigen sie sich immun. Sie weichen der Debatte aus oder machen sie auf administrativem Weg zunichte.

Dies veranlasst die „Radioretter“ aber nicht, ihre Arbeit einzustellen. Im Gegenteil. Unser `Kampf´ gegen den Ausverkauf des (gebührenfinanzierten) öffentlich-rechtlichen Programmauftrages und eines unabhängigen, (aus Gebühren finanzierten) Journalismus ist nötiger denn je. Wir werden das Geschehen im (gebührenfinanzierten Unternehmen) WDR aufmerksam verfolgen, wir werden in geeigneter Form intervenieren, wir werden Verflachungen und Demokratiedefizite beim Namen nennen und ihnen mit Alternativen begegnen. Und wir beabsichtigen, sie als Teil einer Entwicklung zu behandeln, von der die (gebührenfinanzierte) ARD insgesamt betroffen ist.

Unter anderem beabsichtigen wir, in regelmäßiger Folge eine Rundschrift herauszugeben, die den medien- und kulturpolitischen Kurs des (gebührenfinanzierten Unternehmen) WDR und anderer (gebührenfinanzierter) ARD-Anstalten einer eingehenden Analyse und der Kritik unterzieht. Wir werden zu Konferenzen einladen, um rundfunk- und programmpolitische Alternativen zu entwickeln und öffentlich zu machen. Nicht zuletzt werden wir kritische Redakteure und Autoren in ihrem Widerstand gegen Entwicklungen unterstützen, die dem (gebührenfinanzierten) öffentlich-rechtlichen Rundfunk zusehends die Legitimationsgrundlage entziehen.

Um diese Arbeit finanzieren zu können, werden wir uns organisatorisch eine neue Form geben und in Kürze den Verein „Die Radioretter“ gründen. Diesem Verein beizutreten laden wir Sie ein – nähere Informationen folgen.

Der Konflikt um den (gebührenfinanzierten) WDR 3 war bloße Momentaufnahme eines Prozesses, der andauert. Er verlangt nach gesellschaftlichem Widerstand. Denn auch der (gebührenfinanzierte) Deutschlandfunk will die Programmverflachung des (gebührenfinanzierten) WDR (-Unternehmens) kopieren. Der (ebenfalls aus Gebühren entlohnte) Intendant des DLF hat ´seinem` Haus einen „Strategieprozess“ verordnet und eine externe, (selbstverständlich gebührenfinanzierte) Unternehmensberatung mit der „Prozesssteuerung“ beauftragt.

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Link: Gebührenfinanziertes Trallala: Fernsehen
Quelle: Die Radioretter

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