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Mit 40 zu alt für Job bei SOS-Kinderdorf

15.11.2005 - von B. Jerg

SOS-Kinderdörfer diskriminieren: Man darf sich nur bis 39 Jahre als gelernte Erzieherin und nur bis 42 Jahre als SOS-Kinderdorfmutter bewerben.

Hier meine Briefe an die Organisation:

Brief Nr. 1
Sehr geehrte Damen und Herren,

Solange Sie diskriminieren, bekommen Sie von mir keinen Cent Spenden.

Die Idee der SOS-Kinderdörfer ist gut, gar keine Frage.
Aber: Auf Ihren Broschüren, auf Ihrer Webseite ist die Rede von Menschlichkeit, Liebe, Gutes tun etc.

Wenn ich heute am Samstag die Stellenanzeigen lese, und wenn ich das als über 40-jährige Arbeitssuchende tu, da wird mir vor lauter "Idealerweise sind Sie zwischen 25 und 35 Jahren" oder "Ideales Alter um 30" oder "junges Team" speiübel, weil sich meine Zukunftsangst, die ich eh schon habe, noch mehr verstärkt bis zum Gedanken: "Mensch, ich bin 45 Jahre, in vielen Dingen sogar besser als noch vor 15 Jahren, ich habe gute Chanchen, noch ca. 20 Jahre ohne gesundheitliche Einschränkungen und insgesamt noch gute 35 Jahre zu leben, warum bin ich denen zu alt?"

Die Frage gebe ich an Sie weiter, "Tagesmutter nur bis 39 Jahre", "ausgebildete Erzieherin bis 42" inserieren Sie.

Brief Nr.2:
Um Geld zu spenden, bin ich nicht zu alt, oder?
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich garantiere Ihnen, gerade unter den Menschen, vor denen Sie den Arbeitsmarkt verschließen – und zwar genauso schamlos und unverfroren wie viele andere Unternehmen – nämlich der Generation 50 plus, würden Sie bestimmt eine ganze Reihe wundervoller Menschen finden, mit gerade den Eigenschaften, die man als Kinderdorfmutter braucht:

Geduld, Kinderliebe, abgeschlossene Familienplanung etc.

Sie aber diskriminieren Menschen als „zu alt, um (bei Ihnen) zu arbeiten“, und gleichzeitig – hoffentlich wissend, dass Geld auch für Leute ab 40 nicht vom Himmel fällt, sondern durch Arbeit „reinkommt“, betteln Sie sie uns um Geld an???

Solange Sie nicht JEDEM für die Tätigkeit als Tagesmutter geeigneten Menschen – altersunabhängig, eine Chance geben, bitte ich Sie, mir nie wieder einen Brief zu schicken, in dem Sie mich um Kohle anbetteln.

Da wäre ich mir an Ihrer Stelle zu stolz, von Menschen, die ich als Arbeitskraft nicht will, Geld zu nehmen!

Solche Greisinnen wie ich, die auf dem Arbeitsmarkt nichts zu suchen haben, aber TROTZDEM von niemandem Rente bekommen, haben kein Geld für Sie übrig, o.k.?

Vielen Dank.
Gruß, B. Jerg

Quelle: Mail ans Büro, Südwestpresse, 5.11.05

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