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Gematik-Chef Dieken über elektronische Patientenakte und elektronische ID

Foto: H.S.

27.06.2020 - von Hanne Schweitzer + D.S.

Die elektronische Gesundheitsakte ist tot, es lebe die elektronische Patientenakte. Dabei handelt es sich um eine APP, die im gruseligen digitalen Big Business längst "ePa" genannt wird. Die Abkürzung ePA steht für elektronische Patientenakte, und hat mit Gesundheit "als Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens" so viel zu tun, wie eine Kuh mit Walzer tanzen. Auch schreibt sie sich mit kleinem "e", damit sie nicht verwechselt wird mit Realem, etwa mit der Einmannpackung [EPA], der Europäischen Presseagentur [EPA] oder dem Europäischen Patentamt [EPA].

Die elektronische Patientenakte soll 2021 als APP "kommen" - auf den Markt und über uns. Und damit sie "befüllt wird", erhalten Patienten vom Staat einen "Anspruch" darauf zugesagt, dass ihre elektronische Patientenakte "auch befüllt wird".

Ärzte und Krankenhäuser fungieren als Abfüller und als solche erhalten sie, für jede "Erstbefüllung" einer elektronischen Patientenakte, 10 Euro überwiesen. Weitere Vergütungen, deren Höhe von der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen noch festzulegen ist, sollen alle locken, die als Ärzte, Zahnärzte oder Apotheker für die "Unterstützung" der Krankenversicherten bei der Verwaltung ihrer Patientenakte gehorsam zur Verfügung stehen.

Von wegen "Think Medical! Act Digital!" Befüller und Unterstützer der "digitalen Gesundheitsversorgung" werden auf die Digitalisierungschiene gesetzt und damit sie nicht abspringen, bedient sich die Selbstverwaltung an den Mitgliederbeiträgen der 105 gesetzlichen Krankenkassen, deren Finanzreserven im März 2020 auf 18.3 Milliarden Euro gesunken sind, und die nun einen Bundeszuschuss aus den Steuereinnahmen, die kontinuierlich sinken, von 3.5 Milliarden erhalten sollen.

conhIT, DMEA, DMEA sparks
In diesem Jahr musste die Informationstechnik-Messe DMEA, das "jährliche Highlight der Gesundheits-IT", obwohl sie erst einmal stattgefunden hat, weil sie aus der 2008 gegründeten conhIT hervorgegangen ist, was sich aus dem Zusatz des Messenamens "- Connecting Digital Health" noch erahnen lässt, 2020 also musste die DMEA - Connecting Digital Health, wegen Corona abgesagt werden. Macht aber nichts. "Corona als Digitalisierungstreiber" hat dazu geführt, dass die Messe im Juni dieses Jahres in Berlin online veranstaltet wurde. Andere Zeiten, anderer Namen. Heuer: "DMEA sparks".
Dazu muss man wissen, DMEA ist ein Akronym aus „Digital Medical Expertise & Applications“, und das bedeutet: Digitales medizinisches Fachwissen & Anwendungen. "sparks" heißt "Funker". Nun setzen sie das mal zusammen!

Zum Messeprogramm 2020 gehörte auch der "Health Hot Seat mit Dr. Markus Leyck Dieken", dem Geschäftsführer der gematik¹. Moderiert wurden die 27 Minuten der Fragestunde von Chris Berger. Der arbeitet als Referent für Politik in der Geschäftsstelle des Bundesverbands Gesundheits-IT e.V., abgekürzt bvitg². Herr Berger wurde - wenn überhaupt - für seine Moderation des Heißen Stuhls Gesundheit wohl eher nicht vom Gesundheits-IT e.V. bezahlt, sondern von der Service GmbH des Bundesverbands, als dessen "Marke" wiederum die virtuelle Messe "DMEA sparks" fungiert.

Gematik-Chef auf dem Health Hot Seat der DMEA sparks zur ePa
Chris Berger eröffnet: "Regel 1. Jede Frage wird maximal 20 Sekunden lang sein, hiervon wird es keine Ausnahme geben. Regel 2: Jede Antwort darf maximal 60 Sekunden lang sein. Aber keine Sorge, bei einer Überziehung gibt es natürlich keinen kleinen Schocker."
Markus Leyck Dieken: "Ich hoffe schon, dass der Gasbunsenbrenner hier gelegentlich eingesetzt wird, ein Hotseat macht ja sonst keinen Spaß."

Gematik-Chef Dieken lässt die Katze aus dem Sack:
- "Die Dimension der ePA wird noch massiv unterschätzt“, findet Dr. Markus Leyck Dieken.

- Als „Flugzeugträger der Gesundheitsversorgung von morgen“, bezeichnet Leyck Dieken die elektronische Patientenakte.

- Dieken versteht Konnektoren als eine Art Übergangstechnologie.
„Wir werden in zehn Jahren sicher keine Konnektoren mehr in den Praxen haben, die Entwicklungen gehen zu Cloud-Technologien."

- „Die ePa wird nur dann erfolgreich sein, wenn alle Ärzte sie umarmen“,
mahnt der Gematik-Geschäftsführer Leyck Dieken.

- „Eigentlich sollte die ePA biologische Akte heißen“, schlägt er vor. Sie solle idealerweise alle Gesundheitsdaten eines Menschen enthalten – und zwar von der Geburt an. So mache es für die Disposition für bestimmte Erkrankungen einen großen Unterschied, ob ein Mensch natürlich geboren oder per Kaiseraufschnitt zur Welt gekommen sei. „Ich wünsche mir, dass so etwas in zehn Jahren in der Akte hinterlegt ist."

- Dieken will eine lebenslange eID (elektronische Identität), die von den kranken Kassen !!! verwaltet werden soll.
"Wir selber glauben, das man von der physischen EGK irgendwann in die virtuelle kommen muss und vielleicht auch einen Schritt weiter. Bislang gibt es ja schon die erste Initiative, die sowohl aus dem Zukunftslabor der gematik, aber auch aus der Runde der Krankenkassen endlich angestoßen wurde, um sie dann allen anderen auch föderativ anbieten zu können. Wir unterstützen diesen Schritt sehr."³

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Der Heiße Stuhl Gesundheit mit Dr. Markus Leyck Dieken hatte heute 123 Aufrufe. Auf youtube abrufbar unter: Link


¹ Link
² Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg e. V.) vertritt hierzulande IT-Anbieter des Gesundheitswesens. Zweck: Produkt- und herstellerunabhängig den Mehrwert von IT im Gesundheitswesen darstellen. Arbeitet intensiv daran, die Gesundheits-IT für alle Versorgungsbereiche zu etablieren. Meint: Er"leiste einen großen Wertbeitrag (!) für das Gesundheitswesen."
³ 2018 wurde eine biometrische Identitäts-APP beim Jahrestreffen der Stiftung Weltwirtschaftsforum (erstmal) für Reisende beschlossen. Das "Known Traveller Digital Identity (KTDI)" - Projekt soll Reisende auf freiwilliger Basis dazu bringen, sich eine TruID-App (Wahre Identitäts-APP) herunter zu laden und sich damit auszuweisen, nein, einzuloggen. siehe dazu: In Davos beschlossen: Reisende überwachen sich selbst unter: Link und Zwischen Frankreich und England wird Davos-Plan realisiert unter: Link

Link: GESUNDHEITSAKTE, DIGITALE STAATSKUNST, eREZEPT, ÜBERWACHUNG: Dossier 2020
Quelle: youtube