Diskriminierung melden
Suchen:

Förderung und Schutz der Menschenrechte für ältere Menschen 79. Tagung der Generalversammlung der UN

Foto: H.S.

17.07.2024 - von Claudia Mahler

Bericht der Unabhängigen Expertin Claudia Mahler für den Genuss aller Menschenrechte durch ältere Menschen auf der neunundsiebzigsten Tagung der Vereinten Nationen / Generalversammlung


"... II. Herausforderungen für die Menschenrechte künftiger Generationen älterer Menschen
A. Einschränkungen des derzeitigen normativen Rahmens

... 5. Die spezifischen Herausforderungen, mit denen ältere Menschen im Hinblick auf ihre
Menschenrechte konfrontiert sind, in zukunftsweisenden Prozessen zu berücksichtigen, ist
umso dringlicher, da es kein internationales rechtsverbindliches Instrument gibt, in dem die
Menschenrechte älterer Menschen dargelegt sind. Diese Lücke schafft ein grundlegendes
Defizit in Bezug auf Gleichheit und Nichtdiskriminierung, Schutz vor Gewalt, Autonomie,
Pflege, Gesundheit, sozialen Schutz, wirtschaftliche Sicherheit und Teilhabe am öffentlichen Leben
.

Das Fehlen eines internationalen rechtsverbindlichen Instruments hat auch zur Folge,
dass die Rechtsverletzungen, die ältere Menschen erfahren, nicht wahrgenommen werden
und es der Öffentlichkeit, darunter auch Pflichtenträgerinnen und -trägern, am Bewusstsein
für die Rechte älterer Menschen fehlt. Nur zwei Menschenrechtsverträge der Vereinten Nationen enthalten einen Hinweis auf die Altersdiskriminierung, nämlich die Internationale
Konvention zum Schutz der Rechte aller Wanderarbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen und das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Die beste-
henden Vertragsorgane und Sonderverfahren haben keine kohärenten Anerkennungs- und
Abhilfemechanismen für die Menschenrechte älterer Menschen eingerichtet und können dies
auch nicht.3 Das Fehlen eines Menschenrechtsvertrags für ältere Menschen führt dazu, dass
in der sozialen Fürsorge weiterhin Ansätze verfolgt werden, die Abhängigkeit fördern, indem
sie ältere Menschen als passive Hilfeempfängerinnen und Empfänger statt als mündige
Rechteinhaberinnen und -inhaber behandeln. ...


D. Prävention und Schutz vor [b]Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung[/b]

13. Mit der demografischen Verschiebung hin zu einer älteren Bevölkerung und somit
mit weniger Menschen in der jüngeren Generation, wächst der Druck auf die traditionellen
Familiensysteme, was zu Gewalt gegen ältere Menschen sowie zu deren Missbrauch und
Vernachlässigung führen kann. Wenn sich staatliche Stellen auf allen Ebenen nicht darum
bemühen, angemessene Alternativen zu familiären Pflege- und Unterstützungssystemen zu
schaffen oder für Familien, die die Pflege ihrer älteren Familienangehörigen übernehmen,
zusätzliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen, kann die erhöhte wirtschaftliche Belastung
von Gemeinschaften und Familien negative Stereotypen über ältere Generationen verstärken,
die Gewalt gegen die Mitglieder dieser Generationen sowie deren Missbrauch und Vernachlässigung zur Folge haben.12 In manchen Fällen machen jüngere Generationen ältere Menschen womöglich für Herausforderungen wie den Klimawandel verantwortlich, die durch die
Politik der Vergangenheit entstanden sind oder sich dadurch verschlimmert haben und so
Feindseligkeit gegenüber älteren Generationen schüren. Im Zuge des digitalen Wandels kön-
nen ältere Menschen auch neuen Formen von Gewalt ausgesetzt sein, wie etwa Hetze, Betrug
und Belästigung im Internet, die zunehmend Anlass zur Sorge geben.

14. Das Problem der Gewalt, des Missbrauchs und der Vernachlässigung älterer Men-
schen
wird in vielen Rechtssystemen nicht angemessen angegangen. Zu den Gründen dafür
können unter anderem ein mangelndes Verständnis des Problems, weit verbreiteter Ageism,
mangelndes Bewusstsein, ungünstige politische Rahmenbedingungen, unterschiedliche Auffassungen und Definitionen der Probleme sowie eine hohe Dunkelziffer zählen.13 Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Pflichtenträgerinnen und -träger proaktive Anstrengungen
unternehmen, um das Ausmaß und die Art des Phänomens zu verstehen, politische Maßnahmen umzusetzen, die das Problem lösen und derartige Gewalt für künftige Generationen ver-
hindern, indem sie den Dialog zwischen den Generationen fördern und das Bewusstsein für
das Problem schärfen. ..."


Link

Quelle: Vereinte Nationen