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Überall wo Frauen streiken: Intersektional-feministischer Frauenstreik 2026 - Positionspapier

Foto: H.S.

09.03.2026 - von Töchter Kollektiv – Koordinationskreis

An: Gewerkschaften, Tarifgremien, Verbände, Frauen- und Gleichstellungsorganisationen, zivilgesellschaftliche Initiativen und politische Entscheidungsträger*innen.

1. Ausgangslage

Deutschland steht 2026 vor tiefen sozialen und politisch hergestellten Ungleichheiten. Sorgearbeit bleibt abgewertet, Frauenerwerbsarbeit strukturell benachteiligt, und geschlechtsspezifische Gewalt ist weiterhin ein massives gesellschaftliches Problem.
Frauen, Alleinerziehende, Frauen mit Migrationsgeschichte, Schwarze Frauen, Frauen of Color, trans-Personen, nicht-binäre Menschen, Menschen mit Behinderung sowie Beschäftigte in prekären und informellen Arbeitsverhältnissen tragen die höchsten Belastungen.
Der Arbeitsmarkt ist geprägt von

• strukturellen Lohnunterschieden
• unfreiwilliger Teilzeit
• schlechter Bezahlung in sorgeintensiven Berufen
• fehlender Absicherung von Sovrgezeiten
• hoher Armutsgefährdung Alleinerziehender
• einer tiefen Rentenlücke
• zunehmendem politischem Rechtsdruck


2. Gewalt, ökonomische Abhängigkeit und die Istanbul-Konvention

Die Istanbul-Konvention verpflichtet Deutschland zum Schutz vor geschlechts- spezifischer Gewalt. Doch Schutzräume sind überlastet, Prävention ist unterfinanziert und Betroffene werden häufig allein gelassen.
Ein zentraler Zusammenhang wird politisch häufig ausgeblendet: Ökonomische Abhängigkeit gehört zu den stärksten Risikofaktoren für Gewalt.

Wer finanziell nicht frei ist, ist auch in der eigenen Sicherheit eingeschränkt. Deshalb sind Lohnpolitik, Sozialpolitik und Gewaltschutz untrennbar miteinander verbunden.

Der Frauenstreik macht genau diese strukturellen Ursachen sichtbar - und fordert, dass politischer Wille endlich in verbindliche Maßnahmen übersetzt wird.


3. Ziel des Frauenstreiks

Der intersektional-feministische Frauenstreik am 09. März 2026
macht sichtbar, was tagtäglich unsichtbar bleibt:

• Sorgearbeit ist Arbeit

• Ungleichheit ist politisch hergestellt – nicht privat verursacht

• Gewalt hat materielle Wurzeln

• Geschlechtergerechtigkeit erfordert strukturelle Antworten

Der Streik richtet sich nicht nur an Frauen, sondern an alle Menschen, die von Ungleichheit betroffen sind oder solidarisch unterstützen wollen. Ein Frauenstreik ist kein symbolischer Aktionstag, sondern eine demokratische Form kollektiven politischen Drucks, wie sie weltweit genutzt wird, um strukturelle Blockaden aufzubrechen.[/b]


4. Unsere Analyse

Die Ursachen sind strukturell, nicht individuell:

• unbezahlte und schlecht bezahlte Sorgearbeit
• Unterfinanzierung sozialer Berufe
• mangelnde Tarifbindung in frauendominierten Branchen
• fehlende politische Priorität für Gleichstellung
• unzureichende Umsetzung der Istanbul-Konvention
• gesellschaftlich verfestigte Rollenbilder
• rechtliche Rahmenbedingungen, die Alleinerziehende benachteiligen
Diese Faktoren greifen ineinander und stabilisieren soziale Ungerechtigkeit.


5. Unsere zentralen Forderungen

Tarif- und Arbeitsmarktpolitik:
• Aufwertung von Sorgeberufen
• Erhöhung der Tarifbindung in frauendominierten Branchen
• Existenzsichernde Löhne und verlässliche Arbeitszeitmodelle
• Verbindliche Personalbemessung in sozialen Bereichen

Sozial- und Steuerpolitik:
• Absicherung von Sorgezeiten
• Reformen zur Entlastung Alleinerziehender
• Schließung der Rentenlücke
• Abschaffung von steuerlichen Fehlanreizen, die Abhängigkeit fördern

Gewaltprävention und Schutz:
• vollständige Umsetzung der Istanbul-Konvention
• Ausbau von Schutzräumen und Beratungsstellen
• finanzierte Präventionsprogramme
• arbeitsrechtliche und institutionelle Schutzmechanismen
Töchter Kollektiv – Koordinationskreis

Gesellschaftliche Anerkennung:
• Sichtbarkeit und Wertschätzung unbezahlter Sorgearbeit
• intersektionale Perspektiven in allen Gleichstellungskonzepten
• politische Mitsprache für betroffene Gruppen


6. Handlungsaufforderung an Gewerkschaften

Wir rufen die Gewerkschaften dazu auf:

1. den Frauenstreik als legitimen Arbeitskampf zu unterstützen
2. Beschäftigte rechtlich und organisatorisch abzusichern
3. klare Positionen zur Aufwertung von Sorgearbeit einzunehmen
4. tarifpolitische und sozialpolitische Reformen aktiv mitzugestalten
7. Schlussbemerkung

Der intersektional-feministische Frauenstreik 2026 ist ein Schritt hin zu echter Gleichstellung, Schutz und sozialer Gerechtigkeit. Er macht sichtbar, was politisch lange ignoriert wurde. Wir stehen für einen Streik, der niemanden ausschließt, solidarisch organisiert ist und die Stimmen aller mitdenkt, die von Ungleichheit
betroffen sind.


Mit solidarischen Grüßen,

Töchter Kollektiv – Koordinationskreis
Safe Space Chemnitz
c/o Adressgeber #1768
An der Alten Ziegelei 38
48157 Münster
E-Mail: toechter.kollektiv@posteo.de
Instagram: toechter.kollektiv
Web: Link
#ohneunsstehtallesstill2/3

Quelle: Töchter Kollektiv – Koordinationskreis