Diskriminierung melden
Suchen:

Breite Mehrheit der Bevölkerung wünscht leistungsfähigen Sozialstaat

Foto: H.S.

16.03.2026 - von Sozialstaatsbündnis

• Sozialstaatsbündnis kritisiert Schieflage in der politischen Debatte
14 zivilgesellschaftliche Organisationen mit gemeinsam über 20 Millionen Mitgliedern haben ein Bündnis für einen starken und zukunftssicheren Sozialstaat gegründet. Das Sozialstaatsbündnis kritisiert die zunehmende Schieflage in der politischen Debatte, in der der Sozialstaat wiederholt als unfinanzierbar oder als
reiner Kostenfaktor dargestellt wird. Die Initiative setzt dem eine positive, faktenbasierte
Perspektive entgegen: Der Sozialstaat ist nicht nur finanzierbar, sondern essentiell für
sozialen Frieden, wirtschaftliche Teilhabe und demokratische Stabilität.

Frank Werneke, Vorsitzender Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di): „Eine
fundamentale Rolle spielen die Kommunen: Dort entscheidet sich, ob der Staat
funktioniert und ob die Menschen Vertrauen in seine Institutionen haben. Die
Kommunen in Deutschland sind mit einem Gesamtdefizit von mehr als 30 Mrd. Euro im
vergangenen Jahr strukturell unterfinanziert.

Deshalb müssen Bund und Länder die Kommunen endlich ausreichend finanzieren – mit mehr Umsatzsteueranteilen. Zudem zeigt eine Umfrage im Auftrag unseres Bündnisses: Eine deutliche Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger lehnt nicht nur eine Verschlechterung der Rente, sondern auch die Streichung des Achtstundentages mit deutlicher Mehrheit ab. Das ist das Gegenteil dessen, was Arbeitgeberverbände, neoliberale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihnen nahestehende politische Kräfte seit Jahren suggerieren wollen.“
Das Bündnis hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov mit einer Umfrage beauftragt, um herauszufinden, wie die Menschen in Deutschland zu den Themen Sozialstaat, Rente, Pflege, Facharzttermine und Wohnen stehen.

Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt die breite Unterstützung für einen starken
Sozialstaat:


79 Prozent der Befragten sagen, dass ein leistungsfähiger Sozialstaat den
gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.

Eine deutliche Mehrheit von 73 Prozent spricht sich dafür aus, Menschen mit sehr hohen Vermögen stärker als bisher zu seiner Finanzierung heranzuziehen.

Nahezu einhellig ist die Meinung beim Thema Pflege: 95 Prozent halten eine menschenwürdige stationäre und ambulante Versorgung für notwendig, die niemanden finanziell überfordert.

Trotz anhaltender Debatten und Desinformationskampagnen wäre mehr als die Hälfte der Befragten bereit, höhere
Beiträge zu zahlen, wenn dadurch die eigene Rente steigt. Auch bei der Vergabe von Facharztterminen plädiert eine klare Mehrheit von 77 Prozent für eine strikte Gleichbehandlung von gesetzlich und privat Versicherten.
Das Sozialstaatsbündnis fordert von der Bundesregierung, mehr für die ökologische Transformation zu leisten und dringend notwendige Schritte sozial gerecht zu gestalten – mit fairer Lastenverteilung und sicheren Übergängen für Beschäftigte und Regionen.

Warum dieses Bündnis jetzt?
Das Bündnis beobachtet eine besorgniserregende Entwicklung: Immer mehr Menschen
verlieren das Vertrauen in öffentliche Institutionen, demokratische Parteien und den
Sozialstaat. Diese Entwicklung wird durch Stimmen verstärkt, die den Sozialstaat
einseitig als Belastung darstellen, statt seine Rolle für soziale Sicherheit, wirtschaftliche
Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt hervorzuheben. Dazu wollen die
Organisationen des Bündnisses gemeinsam den Druck auf die Politik erhöhen.
Die unterzeichnenden Verbände vertreten gemeinsam mehr als 20 Millionen Mitglieder,
Beschäftigte, ehrenamtlich Aktive und Ratsuchende. Sie erleben jeden Tag, wie
Solidarität entsteht und welche riesigen Potenziale in einem gerechten und
leistungsfähigen Sozialstaat stecken. Die Verbände sind davon überzeugt, dass es sich
lohnt, für eine Politik zu kämpfen, die den Sozialstaat stärkt und von der alle Menschen
in Deutschland profitieren.

Ziele des Bündnisses
Das Sozialstaatsbündnis verfolgt fünf zentrale Ziele:

1. Starke, solidarisch finanzierte soziale Sicherungssysteme:
Ein guter Sozialstaat braucht eine solidarische und verlässliche Finanzierung guter
Renten, Gesundheitssysteme und Pflege. Hochvermögende sollen ihren Beitrag
stärker leisten, kleine und mittlere Einkommen entlastet werden.

2. Handlungsfähiger Sozialstaat in Bund, Land und Kommune:
Leistungsfähige öffentliche Daseinsvorsorge – von Bildung über Gesundheit bis
Wohnraum – stärkt das Vertrauen in Staat und Gesellschaft.

3. Gute Arbeit und soziale Absicherung:
Tarifbindung stärken, faire Mindestlöhne sichern und Arbeitsbedingungen
ausbauen sowie Arbeitsmarktpolitik, die Beschäftigte bei Wandel und
Übergängen unterstützt.

4. Armut wirksam bekämpfen und Teilhabe fördern:
Soziale Ungleichheit verringern, Inklusion vorantreiben und den Zugang zu
Bildung für alle ermöglichen.

5. Klimaschutz mit sozialer Sicherheit verbinden:
Ökologische Transformation muss sozial gerecht gestaltet werden – mit fairer
Lastenverteilung und sicheren Übergängen für Beschäftigte und Regionen.

Mitglieder der Allianz
Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland
Arbeiterwohlfahrt
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Deutscher Caritasverband
Deutscher Gewerkschaftsbund
Deutscher Mieterbund
Der Paritätische Gesamtverband
Diakonie Deutschland
IG Metall
Sozialverband Deutschland SoVD
Sozialverband VdK Deutschland
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
Volkssolidarität
Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland

Hinweise zur Methodik: Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit
Mitgliedern des YouGov-Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese
Befragung wurden im Zeitraum vom 20. bis 23.02.2026 insgesamt 2315 Personen
befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld,
Wahlverhalten und politischem Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend
entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in
Deutschland ab 18 Jahren.

Quelle: Sozialstaatsbündnis