
Foto: H.S.
03.08.2026 - von Hanne Schweitzer
Nur die wenigsten Menschen mit einem ähnlich großbürgerlichem und gut abgesichertem Hintergrund wie Otto Georg Schily, trauen sich, auch nur annähernd ein so schillerndes Leben zu führen wie Otto. 1962 legt er sein 2. juristisches Staatsexamen in Bochum ab, 1968 vertritt er Gudrun Ensslin als Anwalt beim Kaufhausbrand-Prozess, 1975 ist er ihr Wahl- und Pflichtverteidiger beim so called B/M-Prozeß in Stammheim.
Otto Schilys Wikipedia-Eintrag ist umfang- und quellenreich. Ein Detail fehlt: Was hat Schily in und an Stammheim verdient?
Laut WELT am SONNTAG erhielt er als Verteidiger Gudrun Ensslins einen Vorschuss von 138.898,50 DM und für weitere Auslagen 77.043,44 DM aus der Steuerkasse. 1979 schickte er eine Art Nachrechnung ans Gericht. Er möchte knapp 70.000 Mark mehr, plus 5,5 Prozent Mehrwertsteuer.
Ottos Nachforderung wird vom 2. Strafsenat abgelehnt. Begründung: Otto Schily der "an mindestens 25 Gerichtstagen seiner Anwesenheitspflicht nicht nachgekommen ist", und der am Beginn eines Prozesstages "häufig" nicht da war und nachmittags "häufig" früher den Saal verließ.
Weil eine Krähe einer anderen bekanntlich kein Auge aus sticht, lassen sich die Richter zwar nicht darauf ein, 70.000 Mark mehr an Otto zu überweisen, aber Sie erklären ihre Bereitschaft, ihm immerhin 135.00 Mark plus Mehrwertsteuer zu überweisen, trotz seiner in den Protokollen detailliert dokumentierten Abwesenheitszeiten.
Damit ist und gibt sich Otto nicht zufrieden. Deshalb reicht ein Anwaltskollege blitzschnell eine Verfassungsklage wegen ungleicher Behandlung ein: Einer der RAF-Anwälte hat eine Vergütung von 175.000 Mark erhalten. Das steht Otto auch zu.
Die Stammheimer Richter laßen sich nicht einschüchtern. Soll der doch erst mal diese Verfassungsklage angenommen kriegen, pah ! Sie bieten Otto 157.325 Mark. (Vielleicht auch noch Mehrwertsteuer und Auslagen und Sonderirgendwas). Otto schlägt ein.
Das war klug.
Denn kein einziger der Verfassungsrichter will die Schily-Klage wegen ungleicher Behandlung annehmen.
Wikipedia: Link
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Schily. Macht. Ordnung. Dokumentarfilm von Jürgen Thebrath, Robin Lautenbach und Marcel Kolvenbach (2002).
Maximilian Schönherr: Die Stammheim-Bänder. Baader-Meinhof vor Gericht. CD mit Booklet, WDR 2008 (mit Schilys Auftritten)
Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte. Dokumentarfilm von Birgit Schulz (2009).
Rot-Grün macht Kasse. Dokumentarfilm über die Tätigkeit ehemaliger Politiker als
Lobbyisten, 30 min, Deutschland, 2011, Produktion: NDR/Panorama[78]
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