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Foto: H.S.
08.09.2026 - von Gewerkschaftsforum
" Die IG Metall legt voraussichtlich Mitte September ihre Lohnforderung vor. Sie schlägt neuerdings einen Gehaltsaufschlag für Beschäftigte von Firmen mit guten Umsätzen vor. Ein Aufschlag für gut verdienende Firmen könnte es der Gewerkschaft erleichtern, einem niedrigen Lohnabschluss für die gesamte Metall- und Elektroindustrie zuzustimmen.
Den Gehaltsaufschlag sollen nur jene Firmen der Metall- und Elektroindustrie zahlen, denen es entgegen der allgemein schlechteren Lage vergleichsweise gut geht, wie die Luft- und Raumfahrtindustrie, Medizin- und Energietechnik, Rüstungsproduzenten und Teile des Maschinenbaus.
Der Mehrheit der Unternehmen soll damit keine weiteren Kosten entstehen und sie erhält ihren geforderten geringen Tarifabschluss. Ein großer Teil von Unternehmen zahlt auf jeden Fall noch weniger, denn das sogenannte „T-Geld“ (Transformationsgeld) entfällt automatisch für jene Betriebe, deren Umsatzrendite unter 2,3 Prozent sinkt.
Die IG Metall möchte vor allem, dass es den Unternehmen gut geht, denn dann kann sie auf einen Anteil hoffen und darauf, dass Arbeitsplätze bestehen bleiben, zumindest die, die für Gewinn sorgen. Es werden wieder einmal die alten Storys erzählt, also die vom Pferd und den Spatzen und der Entwicklung der Gewerkschaft vom einstigen Gegner des Kapitals zum Bittsteller.
Dabei ist gewerkschaftliche Lohnpolitik weitaus mehr als die Ankurbelung der Binnennachfrage und Ausgleich der inflationsbedingten Preissteigerungen.
Große Koalition, um den Wirtschaftsstandort in Deutschland neu auszurichten
Die Entwicklung der Gewerkschaft vom einstigen Gegner des Kapitals zum Bittsteller vollzieht sich schnell, wenn Gewerkschaften im Rahmen der Sozialpartnerschaft über jedes Stöcken springen, egal wie hoch es hingehalten wird. Vor allem dann, wenn die Gewerkschaften als „Partner der Transformation im Arbeitsmarkt“ bereitstehen.
Um den Wirtschaftsstandort in Deutschland neu auszurichten und den Arbeitsmarkt „zu sichern“, hat sich schon vor einigen Jahren eine große Koalition aus den Regierungsparteien, Unternehmen, Gewerkschaften, Betriebsräten, Verbänden und der Bundesagentur für Arbeit (BA) als die „Partner der Transformation im Arbeitsmarkt“ gebildet. Diese Partnerschaft hat sich vorgenommen u.a. mit dem Zuzug von billigen Arbeitskräften und den Möglichkeiten des neuen Bürgergeldes bzw. Grundsicherung den größten europäischen Niedriglohnsektor in Deutschland weiter auszubauen.
Für die Regierungen war es wichtig, die DGB-Gewerkschaften mit ins Boot zu holen. Auch deshalb hatte bei einer immens angestiegenen offiziellen Inflationsrate von 10 Prozent im Sommer 2022 Bundeskanzler Scholz die „Sozialpartner zu einer konzertierten Aktion“ eingeladen, bei der man auf die hohen Preise reagieren wollte und um gleichzeitig die Gewerkschaften davon abzuhalten, dass sie ihre Forderung in Höhe der Inflationsrate stellen. Dabei haben sie das Märchen von der „Lohn-Preis-Spirale“ aus der Mottenkiste geholt und sich untereinander erzählt.
Als das Märchen zu Ende erzählt war, hatte man dann auch die Sonderzahlung als Wunderwaffe in Tarifkonflikten auf dem Tisch. Mit den nicht tabellenwirksamen Sonderzahlungen war auch gleichzeitig eine permanente Lohnabsenkung vereinbart. Dieses Vorgehen ist von langer Hand vorbereitet und geschickt verpackt worden. Die Sonderzahlungen werden in Zukunft weiter ausgebaut und immer mehr mit Bedingungen, wie z.B. sie an einer Gewinnentwicklung des Unternehmens auszurichten, verbunden – Beschäftigte in Betrieben mit großem Profit erhalten höhere Einmalzahlungen als die, die sich in kleineren Betrieben der Branche verdingen müssen.
Das sind alles Entwicklungen, die einer Wiederbelebung der Flächentarifverträge und Steigerung der Tarifbindung diametral entgegenstehen.
Diese „Sozialpartnerschaft“ hat ganz konkret zur Folge, dass immer mehr Menschen in die prekäre Beschäftigung abrutschen und dabei sich von ihrer Gewerkschaft verraten und verkauft fühlen. ..."
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