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Wendland: Kulturelle Landpartie 17.-28.Mai 2012

25.05.2012

Vor vielen, vielen Jahren, als viele zwar wussten, wofür "Gorleben" stand, aber "das Wendland" noch kein Begriff war, ärgerten sich einige Kunst- und Kulturschaffende in Lüchow-Dannenberg, dass jeder sie nur mit Atommüll und Protesten in Verbindung brachte. Denn sie wollten hier mehr als "gegen Atom" sein. Sie hatten sich die abgelegene Provinz auch deswegen ausgesucht, weil sie glaubten, hier auf dem Lande leichter ein anderes, umweltfreundlicheres, weniger konsumorientiertes und gemeinschaftliches Leben führen zu können.

"Wir wollen unseren Freunden und Bekannten zeigen, was wir machen, wenn wir nicht protestieren". Das war der Ausgangspunkt für eine Kulturaktion, für die die Menschen zu den ersten "wunde.r.punkten im Wendland" 1989 ihre Ateliers, Ställe, Scheunen und Werkstätten öffneten, um zwischen Himmelfahrt und Pfingsten zu zeigen, was sie außer zu protestieren machten und wie sie leben wollten. In einem Dutzend Dörfern und Häusern gab es Ausstellungen und Veranstaltungen und dazwischen viel frühlingshafte Natur.

Heute 23 Jahre später, kennen viele diese jährliche Gemeinschaftsveranstaltung der Gorleben-Gegner als die "Kulturelle Landpartie" im Wendland. Längst sind aus dem anfänglichen Dutzend Hunderte geworden. Doch noch immer sind sich "die Wendländer" der Kulturellen Landpartie in ihrer Gegnerschaft zur Atomindustrie treu geblieben. Noch immer ist es eine Veranstaltung von Gleichberechtigten, ohne PR-Agentur, ohne öffentliche Zuschüsse oder Werbeeinnahmen, Geschäftsführer und Jury. Ehrenamtlich und gemeinsam basisdemokratisch und keineswegs ohne Auseinandersetzungen wird die Kulturelle Landpartie organisiert. Hauptsache, das was ausgestellt und gezeigt wird, ist selbst gemacht.

Fragte man die Organisatoren und Organisatorinnen, worin der Erfolg der Landpartie liegt, käme man vielleicht auf ebenso viele Antworten wie Teilnehmende.

Die Vielfalt reicht von hochklassiger, zeitgenössischer Kunst- und Handwerksarbeit bis zum liebevollen Dilettantismus. Genau das scheint das Erfolgsrezept zu sein: wo die Liebe der Gäste hinfällt, entscheiden sie selbst. Hilfe ist dabei der "Reisebegleiter" der Kulturellen Landpartie 2012, in dem sie alle und alles finden, was sie interessieren könnte.

In dem kleinen Buch im Hosentaschenformat stellen sich alle Ausstellungspunkte, nach Ortschaften alphabetisch geordnet, ausführlich vor. Es gibt einen chronologisch geordneten Veranstaltungsteil und jede Beteiligte und jeder Beteilige ist in einem Verzeichnis der Gewerke aufgeführt.

Im Anhang finden sich Vorschläge zu Rad-Touren und der Busfahrplan des KLP-Busses, der vom Landkreis extra an den Sonn- und Feiertagen für die Gäste der Kulturellen Landpartie eingesetzt wird. Auch an einen Werkstattpunkt für Radfahrer wurde gedacht. Beim Querlesen entdeckt man Wissenswertes über den letzten Castortransport November 2011, die für die Versorgung der Demonstrant/innen so wichtigen Volxsküchen, die bäuerliche Notgemeinschaft, mit deren Ankettaktion auf der Strecke bei Hitzacker der Castor für 16 Stunden aufgehalten wurde.
Neu und aktuell stellt gorleben365 in diesem Jahr ihre Aktion während der Landpartie vor.

Eine Ausstellung übers Blockieren und 30 Veranstaltungen mit Tanz, Konzerten, Diskussion, Workshops, Aktionstrainings oder Theater vor den Toren des Bergwerks. Ein wunder Punkt, der zum Blockieren einlädt.

Auch das traditionelle "H ö f e S I C H T E N" findet 2012 wieder statt. Wie sieht die Landwirtschaft im Wendland von Innen aus? Wendländische Bauern können Ihnen zeigen, wie Schafe gehalten, Gemüse, Kartoffeln und Getreide angebaut werden - wie aus Nachwachsenden Rohstoffen Strom wird und wie ganz ganz viele Hühner in einem Bio Betrieb leben. Sie erfahren etwas von Freud und Leid der Biobauern, als auch der konventionellen Landwirte - ein Erlebnis aus erster Hand. Kurzum, mit dem Reisebegleiter lässt sich der Kulturgenuss individuell planen, vom vollwertigen Frühstück unter grünenden Eichen, über Kunst und Handwerk in ehemaligen Ställen, bis hin zu großartigen Aufführungen unter nächtlichem, sternenklaren Himmel.

Doch zur Kulturellen Landpartie gehören nicht nur die "Punkte" in Häusern und Dörfern, sondern auch die Natur der Region zwischen Elbe und Drawehn, im Naturpark oder auf Feldwegen.

Wer einmal genug von Ausstellungen und Veranstaltungen hat, kann mit dem Kanu über Elbe und Jeetzel fahren, Biber und Seeadler sichten, den Hitzackeraner Weinberg ersteigen, die Aussicht vom Höhbeck genießen, am Elbufer liegen, durch die Hügel des Drawehn wandern, mit dem Rad die Serpentinen der Clenzer Schweiz hoch strampeln, mit dem Dampfer fahren, die uralten Stämme im Göhrder Forst bewundern, Galloway-Herden, Störche oder Milane beobachten. Zeit braucht man im Wendland und Zeit sollte man sich nehmen. Es ist ohnehin unmöglich, in einem Jahr alles zu sehen.

Um Übernachtungsmöglichkeiten sollte man sich rechtzeitig kümmern, denn zehntausende von Besuchern kommen in einen Kreis in dem es nur 48.000 Einwohner gibt - und dementsprechend wenig Hotels, Pensionen, Ferienhäuser ... mit Zelt oder Wohnmobil gibt es jedoch reichlich Möglichkeiten an Ausstellungspunkten zu nächtigen, (durch Zelt-Icon im Reisebegleiter gekennzeichnet).

Um sich auch ohne Auto, eben "umweltmobil" mit Bus, Bahn und Rad nach und in Lüchow-Dannenberg zu bewegen, kann man an den Wochenenden direkt vom Zug in den Fahrradbus umsteigen, um die Tour am Ausstellungsort seiner Wahl mit dem Rad fortzusetzen. Die Fahrpläne sind an die Zugfahrpläne angepasst und finden sich ebenso wie die Fahrradtouren u.a. im Reisebegleiter.

Der "Reisebegleiter" der Kulturellen Landpartie 2012 das 296 Seiten starke Programmheft mit 8 ausgearbeiteten Radtourvorschlägen von der Göhrde bis in den Lemgow, ist ab Ostern erhältlich und kann in vielen Läden des Landkreises Lüchow-Dannenberg, in Hamburg, Lüneburg, Uelzen und an den Ausstellungsorten für 4,50 € erworben oder gegen Einsendung von 5 € bezogen werden bei: KLP-Büro, Drawehner Str. 2, 29439 Lüchow, E-mail: klp@kulturelle-landpartie.de.

Link: Kulturelle Landpartie

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