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Köln: Prozeß vor dem Verwaltungsgericht - Stadtarchiv

28.05.2019

Die frühere Leiterin der Abteilung Nachlässe und Sammlungen, des Kölner Stadtarchivs, Dr. Gisela Fleckenstein arbeitet zur Zeit am Landesarchiv Speyer. Heute ist die mündliche Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht in Köln. Der Prozess ist öffentlich. Die Verhandlung ist für Dienstag, den 28. Mai 2019, um 10.30 Uhr im Saal 129, 1 Stock, Appellhofplatz, Eingang Burgmauer anberaumt. Es dürfte eine interessante Gelegenheit sein, etwas über die Zustände im Archiv zu erfahren.

Über solche Zustände berichtet Dr. Oliver König am 1.3.2019 in der FAZ: 10 Jahre nach Einsturz in Köln : Die Verantwortung bleibt verschüttet Link

Über solche Zustände berichten im Februar 2019 in einem anonymen, Offenen Brief ehemalige MitarbeiterInnen des Kölner Stadtarchivs.Link

Über solche Zustände berichtet am 3.3.2017 Andreas Rossmann in der FAZ: Acht Jahre nach Einsturz des Kölner Stadtarchivs - Ein Bild der Stadt Link

Über solche Zustände berichtet ein Offener Brief vom 10. März 2017, den die Interessengemeinschaft der Vor- und Nachlassgeber des Historischen Archivs der Stadt Köln an die Oberbürgermeisterin der Stadt, Henriette Reker schickt:

Zur Kenntnisnahme an: Dr. Bettina Schmidt-Czaia*, Susanne Laugwitz-Aulbach

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
Das Historische Archiv der Stadt Köln und seine Mitarbeitenden stehen vor der Mammutaufgabe, mit den durch den Einsturz des Archivs am 3. März 2009 verursachten Schäden umzugehen. Die Ressourcen sowie insbesondere das Personal dazu sind knapp. In dieser Situation wirft es Fragen auf, wenn die Abteilungsleiterin Frau Dr. Fleckenstein, verantwortlich u.a. für die Vor- und Nachlässe, von ihrem Posten entbunden wird, wie dies im Herbst 2016 geschehen ist.
Frau Fleckenstein, die ihren Dienst nur wenige Tage vor dem Einsturz angetreten hatte, war für die Vor- und Nachlassgeber deren erste Ansprechpartnerin. Erfahren haben die Vor- und Nachlassgeber von ihrer Absetzung als Abteilungsleiterin nur durch Zufall, wenn sie z.B. in der Zeit danach Fragen an Frau Fleckenstein gerichtet haben, die dann von Herrn Dr. Plassmann beantwortet wurden. Aufgrund einer „Umorganisation im Historischen Archiv“ habe er „ihre Aufgaben im Bereich Nachlässe und Sammlungen übernommen“ (Email an O. König v. 1.12.2016).

Bei einer Einladung des Archivs an die Vor- und Nachlassgeber am 17.1.2017 wurde die Entbindung von Frau Fleckenstein von ihrer Funktion mit keinem Wort erwähnt, weder von der Archivleiterin Frau Dr. Schmidt-Czaia noch von der anwesenden Kulturdezernentin Frau Laugwitz-Aulbach. Auch als im weiteren Verlauf von Seiten der Anwesenden dazu Nachfragen kamen, wurden seitens der Archivleitung keinerlei Gründe genannt, dies sei ein „organisationsinterner“ Vorgang. Es wurde nur nochmals bestätigt, dass die Leitung dieser Abteilung kommissarisch von Herrn Dr. Plassmann, Leiter der Abteilung Schriften vor 1815, wahrgenommen werde. In frühestens einem Jahr könne etwas dazu gesagt werden, wie lange es bei dieser kommissarischen Besetzung der Leitung bleiben werde. Der Kommentar eines Anwesenden, dies lasse einen arbeitsrechtlichen Konflikt vermuten, blieb ohne Reaktion.

Für beide Abteilungen, Nachlässe und Sammlungen sowie Schriften vor 1815, bedeutet dies einen empfindlichen Verlust an Leitungs-Ressourcen, von dem die Vor- und Nachlassgeber unmittelbar betroffen sind. Um in der derzeitigen Situation des Archivs eine solche Entscheidung zu rechtfertigen, müssten daher drastische Vorfälle in der Abteilung Nachlässe und Sammlungen vorliegen. Wenn dem so wäre, dann müsste die Archivleitung die Vor- und Nachlassgeber davon in Kenntnis setzen.
Die Art des Umgangs mit diesem Vorgang seitens der Archivleitung erinnert ungut an die Zeit nach dem Einsturz des Archivs, die geprägt war von einer Politik der Abschottung und einer Wagenburgmentalität, die erst nach massivem öffentlichen Druck etwas aufgeweicht werden konnte. Schon in der Zeit unmittelbar nach dem Einsturz fiel auf, dass altgediente Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Archivs in Randbereiche abgeschoben wurden oder das Archiv verließen. Heute hat das Archiv nur noch ganz wenige Mitarbeitende, die das Archiv vor dem Einsturz erlebt haben und daher die Bestände kennen. Dabei ist diese Expertise heute notwendiger denn je. Zugleich dringen immer wieder Informationen nach außen über eine hohe Personalfluktuation und eine konfliktbehaftete Organisationskultur.

Das seit dem Einsturz allmählich wieder aufgebaute Vertrauen der Vor- und Nachlassgeber galt und gilt sowohl den alten wie den neuen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, u. a. auch Frau Dr. Fleckenstein. Im Hinblick auf die Archivleitung und die darüber hinaus bei der Stadt Verantwortlichen ist dieses Vertrauen – durch die intransparente Entbindung von Frau Fleckenstein und eine erneute Politik des Mauerns veranlasst – wieder dort angekommen, wo es einmal war, bei null.
Wir fordern die Verantwortlichen der Stadt Köln auf, sich um die Situation im Historischen Archiv der Stadt aktiv zu kümmern. Dies ist nicht nur für die Vor- und Nachlassgeber von großem Interesse, sondern auch für die breitere Öffentlichkeit, der dieses „Bürgerarchiv“ zur Verfügung stehen soll.

Die von Ihnen angestoßene Verwaltungsreform erfordert nicht nur eine größere Transparenz, sondern auch eine andere Führungskultur. In beiderlei Hinsicht ist davon im Archiv, sowohl nach außen hin wie vermutlich auch nach innen gegenüber der Mitarbeiterschaft, nichts zu spüren.

Mit freundlichen Grüßen von den Unterzeichnenden

Stephan Andreae (Familienarchiv), Sabine Barth (Literarische Gesellschaft), René Böll (Nachlass Heinrich Böll), Peter Busmann (Vorlass), Lieselotte Freusberg (Gdok), Renate Gruber (Nachlass Fritz Gruber), Guido Grünewald (Deutsche Friedensgesellschaft), Godfrid Haberer (Vorlass), Christiane Haerlin (Sozialpsychiatrie), Franz Josef Heumannskämper (Nachlass William Pearson), Dorothee Joachim (Nachlass Jens Hagen, Familienarchiv), Joachim Heinlein & Dieter Kublitz & Martin Stankowski (KölnArchiv), Martina Keun-Geburtig (Irmgard Keun), Rainer Kippe (Sozialistische Selbsthilfe Mülheim), Mario König & Oliver König (Nachlass René König), Monika und Gerd Manstein (Nachlass Peter Fuchs), Marcel René Marburger (Vilém Flusser Archiv), Marcel Odenbach (Familienarchiv Nöcker), Robert HP Platz (Vorlass), Werner Rügemer (Verlag Pahl Rugenstein), Dorotheé Schneider (Vorlass Erich Schneider-Wessling), Roland Schüler (Friedensbildungswerk), Hans Georg Schwark (Hans Bender), Hanne Schweitzer (1. Kölner Wortfestival/Fotosalon), Monika von Starck & Burkhard von Starck (Nachlass Heinrich Husmann), Tanya Ury & Stella von Malapert Neufville (Nachlass Alfred Unger), Frohlinde Weber (Nachlass Hermann von Berg).


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