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Wie die Zeitschrift Focus das Thema Pflege verkauft

15.02.2007 - von Hanne Schweitzer

Wenn sich die Wochenzeitschrift Focus mit dem Thema Pflege befasst, kommt dabei heraus, was in dieser Woche auf einem Werbeplakat an den genormten Haltestellen der französischen Firma JC Decaux zu besichtigen war. Dort nämlich hingen die Werbeplakate zum Focus-Titel der Woche: Pflege.

Auf rotem Untergrund ist ein Foto zu sehen, das drei Personen zeigt. Eine ältere Dame im blauen T-Shirt, mit dicker Perlenkette um den faltigen Hals, Brilli und Ehering an den Fingern, deren Nägel sorgfältig lackiert wurden. Ihre Augenbrauen sind sorgfältig gezupft und gefärbt, die Lippen geschminkt. Die Haare der Dame sind im Vergleich zur schicken Aufmachung oll strähnig grau und so schlicht zurückgekämmt, das es keinen guten Eindruck macht.

Hinter der Frau steht ein Mann mit grauem Pullover über`m grauen Hemd. Dreitagebart, dunkle Haare, ca. 40 Jahre alt. Wie die ältere Frau schaut auch er den Betrachter direkt an.

Links neben dem Mann, undeutlich, eher schemenhaft, steht, mit schräg gelegtem Kopf, im rosa Pullöverchen unter`m beigem Jackett, eine ca 40jährige, blasse Frau mit mittelblonden Haaren und roten Lippen. Sie kuckt genauso unfroh, wie die anderen beiden. Ihre Abwesenheit in der Anwesenheit kennzeichnet sie eindeutig als Schwiegertochter.

Die Bildunterschrift des Fotos lautet: "Wenn man Oma pflegen muss." Aber wer ist man, fragt die Betrachterin. Das Foto beantwortet die Frage. "Man", das ist ganz eindeutig der Sohn. Die Inszenierung, das Arrangement auf dem Foto macht deutlich, dass er es ist, der das Heft des Handelns in der Hand hält, und zwar so sehr, dass er nicht mal mehr dazu gekommen ist, sich zu rasieren, bevor der Fotograf kam. (Dreitagebart!) Ausserdem ist er es, der direkt hinter "Oma" steht, während die jüngere Frau, wohl seine, im passiv im Hintergrund steht.

Die Personen-Aufstellung korrespondiert mit den Unterüberschriften des Plakats. "Wenn man Oma pflegen muss", "Die Tricks der Heime", und: "Die psychische Belastung und die enormen Kosten."

Für die enormen Kosten ist der Mann/Sohn zuständig, denn der Ehemann der alten Frau ist nirgends zu sehen. Die psychische Belastung trifft die junge Frau und für das Aufdecken der Tricks der Heime ist dann wohl wieder der Sohn zuständig, der deshalb einen "Focus" kaufen wird. Denn wenn`s um Geld geht, hat hierzulande noch immer der Mann das Sagen.

Link: http://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=1849
Quelle: Focus-Werbung an ÖPNV-Haltestellen