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Altersdiskriminierung durch Google: Klage?

23.06.2010

Das oberste kalifornische Gericht muss darüber entscheiden, ob eine Klage des ehemaligen Google-Managers Brian Reid wegen Altersdiskriminierung durch Google vor einem Jury-Gericht zugelassen wird. Zwar hatte ein rangniedrigeres Gericht zuvor entschieden, dass Reid genug Beweise vorgelegt habe, um seine Diskriminierung wegen des Alters durch Google vor einem Jury-Gericht belegen zu können, das Suchmaschinen-Unternehmen hatte dem aber widersprochen. Nun muss der Californian Supreme Court bis Mitte August entscheiden, ob die vorgelegten Beweise für ein Verfahren vor einem Jury-Gericht ausreichen.

Brian Reid war mit 52 Jahren von Google Inc. eingestellt und zwei Jahre später wieder entlassen worden. Nach mündlichen Aussagen seines Vorgesetzten paßte er nicht in die Unternehmenskultur (no cultural fit). In der einzigen schriftlichen Leistungsbeurteilung, die der ehemalige Stanford-Professor von Google während der zwei Jahre erhalten hatte, bescheinigte ihm das Unternehmen allerdings, dass er die Erwartungen erfülle.

Die Umschreibung "cultural fit", wird, nach Aussage eines früheren Personalers bei Google, im Unternehmen intern stets dann benutzt, wenn es darum geht, ältere Mitarbeiter zu beschreiben ohne ihr Alter explizit zu nennen. Reids Anwalt gab weiter zu bedenken, dass sein Mandant von Kollegen als "träge" bezeichnet worden sei, als "old man", als "old fuddy duddy", und als Jemand, der "kein Gefühl für Wichtiges habe". Als weiteren Beweis für die Altersdiskriminierung durch Google legte er Statistiken vor, aus denen hervorgeht, dass ältere Arbeitnehmer von Google schlechtere Leistungsbeurteilungen und niedrigere Prämien als jüngere Mitarbeiter bekommen.

Google argumentiert dagegen, dass Reids Entlassung nichts mit seinem Alter zu tun hatte, sondern damit, dass seine Position nicht länger erforderlich war und deshalb gestrichen wurde.

Die beiden Richter, denen die Argumente vorgetragen wurden, waren unterschiedlicher Meinung. Der eine vertrat die Meinung Begriffe wie "träge" oder "lethargisch" seien altersunabhängig, da sich damit z.B. auch jüngere Leute beschreiben lasse. Es spreche gegen eine Altersdiskriminierung durch Google, dass der Konzern einen 52Jährigen eingestellt habe. Deshalb seien die Kollegenbemerkungen vor Gericht nicht erforderlich. Der andere Richter vertrat die Meinung, dass die Bemerkungen von Reids Kollegen unbedingt der Gerichts-Jury vorgetragen werden müßten, da sie sich sonst keine Meinung über die eventuelle Altersdiskriminierung bilden könne.

Von den 20.000 Vollzeitbeschäftigten bei Google sollen derzeit etwa 200 "Greyglers" sein, so werden Mitarbeiter über 40 genannt.

Link: Nestle: 4,34 Mio. wg. Diskriminierung
Quelle: Los Angeles Times, 27.5.2010

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