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Inflation im September 2021: bundesweit plus 4,1 Prozent

Foto: H.S.

15.10.2021 - von Hanne Schweitzer,

Im September 2021 sind die Verbraucherpreise laut Statistischem Bundesamt insgesamt um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. En detail:

Altenwohnheime: plus 5,4 Prozent
Ambulante Alten- und Behindertenpflege: plus 5,8 Prozent
Auto neu: plus 6,4 Prozent
Autoreparatur + Wartung: plus 5,4 Prozent
Bekleidung und Schuhe gegenüber August 2021: plus 3,8 Prozent
Erdgas: plus 5,7 Prozent
Fahrräder: plus 7,7 Prozent
Friseur Damen: plus 3,7 Prozent
Gaststättendienstleistungen: plus 3,6 Prozent
Gemüse: plus 9,2 Prozent
Heizöl: plus 76,5 Prozent
Kartoffeln: plus 9,8 Prozent
Kraftstoffe für Autos: plus 28,4 Prozent
Lebensmittel: plus 4,9 Prozent
Obst: plus 1,8 Prozent
Pauschalreisen: gegenüber August 2021: minus 9,2 Prozent
Restaurantbesuche: plus 3,7 Prozent
Strom: plus 2,0 Prozent
Theater-, Kino-oder Konzertbesuche: plus 1,9 Prozent

Die Süddeutsche Zeitung vom 15.10.2021 will uns Mut machen. Die Inflation resümiert sie auf Seite 1 die Ergebnisse des Herbstgutachtens der Konjunkturforscher, wer auch immer das sein mag, und wo auch immer sie bzw. meist ja wohl er die Fähigkeit, in der Glaskugel lesen zu können, erworben haben mag: Deutsche Konjunkturforscher jedenfalls rechnen für das Jahr 2022 mit geringeren Preissteigerungen. Allerdings nur dann, wenn die neue Bundesregierung Reformen anpackt.
Nun ist eine neue Regierung noch nicht in Sicht, und dazu kommt, dass "Lieferprobleme den Aufschwung nach der Corona-Krise" noch bremsen weshalb führende Konjunkturinstitute "in diesem Jahr "mit einem geringeren Wachstum der heimischen Wirtschaft" rechnen.

Die Inflation soll wieder zurückgehen. Kann man den Forschungsinstituten glauben? Die Süddeutsche weiß es nicht so genau. "In ihrer Herbstprognose gehen die Forschungsinstitute nur noch von einem Wachstum um 2,4 Prozent in diesem Jahr aus. Im Frühjahr hatten sie noch 3,7 Prozent vorhergesagt." Schlecht vorhergesagt, aber: "Dafür erwarten die Wirtschaftswissenschaftler für 2022 einen stärkeren Aufschwung als bisher."

Die Wissenschaftler, Forschungsinstitute, Konjunkturforscher geben bei der Inflationsgefahr Entwarnung! "Die Preissteigerung fallen in den kommenden Jahren wieder niedriger aus." Auch erhole sich die deutsche Wirtschaft "klar von der Corona-Krise."

Insgesamt fünf Wirtschaftsinstitute sagen voraus, dass "die Unternehmen wieder kräftig Personal einstellen" werden. Ob es sich dabei um die von VW angedachten 30.000 zu Entlassenden handeln wird, die der E-Auto-Produktion weichen sollen? Oder woher sollen die Leute kommen? Darüber erfahren wir nichts, dafür aber dies: Viele Unternehmen leiden darunter, dass Mikrochips und andere Vorprodukte fehlen. Deshalb produziere die Industrie weniger als zu Jahresbeginn. Was selbst die fähigsten Forscher nicht voraussehen konnten. „Wir waren im Frühjahr zu optimistisch, was die Lieferkettenprobleme angeht“, räumt Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ein. Dumm gelaufen. Besser gleich einen weiteren Downer hinterhergeschieben. "Im Winter werde auch die Pandemie das Wachstum wieder reduzieren." Das steht also für die Forscher fest. Warum? "Nun, die Restaurants und andere Dienstleister könnten wahrscheinlich (wahrscheinlich!) weniger Kunden empfangen als in normalen Zeiten. Komme es zu neuen Virusvarianten, würde das die Weltwirtschaft belasten".

Aber danach geht es los mit der konjunkturellen Erholung. Vom Frühjahr 2022 an werde die Pandemie die Konjunktur "nicht mehr wesentlich beeinträchtigen." Die Forscher
rechnen bei ihrer Kaffeesatzleserei auch fest damit, "dass sich auch die Lieferprobleme im Laufe des Jahres auflösen."

Sie gehen ebenso davon aus, "dass die Verbraucher dann deutlich mehr Geld ausgeben". Nämlich "einen Teil der Ersparnisse, die sie in der Corona-Krise notgedrungen (!) anhäuften (!), als Geschäfte und Restaurants geschlossen waren." Deshalb kommen sie zu dem Schluss, dass im Jahr 2022 "die Wirtschaft um 4,8 Prozent wachsen wird – statt wie bisher vorhergesagt um knapp vier Prozent." Und was ist mit der Inflation? Ganz ruhig! Im September habe die Preissteigerung "vor allem wegen der Energiekosten mit 4,1 Prozent zum Vorjahr so hoch wie seit dreißig Jahren nicht mehr gelegen." Der Preisschub, so die Forscher, werde aber langsam auslaufen.

Trotzdem sei es besser, wenn niemand in den Gaspreis eingreift – "das löse das Problem nicht." Über die steigenden Öl- oder Benzinpreise erfahren wir nichts. Stattdessen ein neues Thema: "Ein Preissteigerungsrisiko" seien "hohe Lohnabschlüsse von mehr als vier Prozent." Und noch ein weiteres Risiko für Preissteigerungen lauert, "wenn man einige Jahre in die Zukunft blickt." So würden den Firmen durch das anscheinend völlig überraschend Dahergekommene "Schrumpfen und Altern der Bevölkerung weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen." Außerdem seien, wohl ebenso unerwartet, "hohe Ausgaben nötig, um Deutschland wie geplant klimaneutral zu machen." Beides führe "zu einem Kostendruck", der sich auf die Preise auswirken könne – jetzt also doch wieder Inflation, "je nachdem, wie sich Politik, Arbeitnehmer und Firmen verhalten." Diese drei Gruppen sind also für die Inflation verantwortlich!

Damit sich alle drei bloß richtig verhalten, rufen die "Ökonomen" aber nur den Staat, also "die neue Bundesregierung" (die es noch gar nicht gibt) "zu durchgreifenden Reformen auf." Sie wünschen sich:
- Effizienten Klimaschutz, "ohne blind in neue Technologien zu gehen."
- Ausgleich für steigende Kosten für Bürger mit geringem Einkommen.
- Investitionen von Staat und Unternehmen, "um das Land zu digitalisieren."
- Keine Ausweitung der Rentenversicherung, sondern:
-niedrigeres Rentenniveau
- späteres Rentenalter
- höhere Sozialbeiträge
- Steuerzuschüsse
- mehr Kapitaldeckung.

FDP ick hör` dir trapsen.

Die WELT liest aus den Gutachten gefährliche Verschiebungen heraus: Deutschland entwickele sich auch am Ende der Pandemie "weiter in Richtung Staatswirtschaft". Die Prognosen würden zeigen, dass nicht nur der private Konsum zurückgehe. "Auch der Wachstumsbeitrag von privaten Anlageinvestitionen und Ausrüstungen" sei deutlich gekürzt worden. Die Staatsausgaben seien in diesem Jahr "sogar noch mal erhöht" worden! "Kein gutes Omen für zukünftiges Wachstum." Ein langfristiges Konzept muss her. Höhere Staatsausgaben seien bei niedrigen privaten Investitionen nachteilig für die Entwicklung der Produktivität. Höher, länger, breiter, MEHR! "Steigende Produktivität sei aber essenziell", weil "die Zahl der Arbeitnehmer wegen des demografischen Wandels nicht mehr wachsen" könne.
"Warum werden nicht sehr viel mehr junge Leute mit der Aussicht auf guten Lohn ausgebildet? Weshalb werden nicht viel mehr Arbeitslose mit der Aussicht auf guten Lohn qualifiziert? Weshalb werden nicht jede Menge Zugeflüchtete mit der Aussicht auf einen guten Lohn geschult?

Quelle: Statistisches Bundesamt, Süddeutsche Zeitung, 15.10.2021