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Digitalisierungs-Großprojekt: REFORM der Sozialstaatsverwaltung

Foto: H.Hi.

01.02.2026 - von Hanne Schweitzer

Den Aufbau einer einheitlichen digitalen Infrastruktur2 für alle Sozialleistungen hat Arbeitsministerin Bas mit der im Koalitionsvertrag von CDU + SPD angekündigten Einberufung einer Kommission zur Reform des Sozialstaats angestoßen. Seit Ende Januar ist klar, wo der Hase langlaufen wird. Die im Januar 26 vorgelegten Empfehlungen der Kommissionsmitglieder waren einstimmig: Rechtsvereinfachungen, Verfahrensvereinfachungen, Zusammenlegung von Sozialleistungen, rascher Vollzug, Vereinheitlichung des Einkommensbegriffs, bessere Abstimmung der Transferentzugsraten.1

Kern des Gelingens der Reformvorschläge der Kommission: Bund, Länder und Kommunen sollen auf einer gemeinsamen technischen Plattform arbeiten. Laut Koalitionsvertrag soll diese Komplett-Digitalisierung hierzulande "generell zur Blaupause" gemacht werden. Da kommt also noch etliches nach. Das jahrzehntelange Desaster mit der Gesundheitskarte soll wohl möglichst vermieden werden. Zuerst aber muss das Sozialrecht als „Law as Code“ umgesetzt und die Rechtsnormen müssen so formuliert werden, dass sie maschinenlesbar sind um ihre digitale Umsetzung zu ermöglichen.

Registermodernisierung und Datenaustausch zwischen den Behörden

In einem Interview mit dem Bundestagsabgeordneten der SPD, und Mitglied der Kommission zur Reform des Sozialstaats, Parsa Marvi in der SoVD-Zeitung, plädiert der frühere Produktmanager bei der Telekom für eine "mehrkanalfähige Verwaltung mit barrierefreiem, transparentem Leistungszugang für alle. Die Bürger*innen brauchen - so ist es geplant, nur noch zu einem Kontaktpunkt = „One Stop Shop“ kommen, um dort entlang ihrer Lebenslage beraten zu werden und eine zu ihrem Bedarf passende Leistung beantragen zu können. Das digitale Sozialportal, der „One Stop Shop“, müsse digital wie stationär immer auf einem gleichwertigem Niveau vorgehalten werden. Laut Parwa Marsi sollten die erforderliche Daten in der Regel automatisiert über den Datenaustausch zwischen den Behörden von Bund, Ländern und Kommunen ermittelt werden. Voraussetzung dafür sei eine umfassende Registermodernisierung mit exzellenter Datenqualität.

Diese Art von mehrkanalfähiger Verwaltung ermögliche digitale Teilhabe und begegne laut Marsi der Gefahr der digitalen Spaltung. Vor Ort müsse es einen leistungsfähigen Service geben, der mit sozialräumlichen Beratungsangeboten kombiniert werden soll. Der Staat dürfe sich wegen der Digitalisierung nicht aus der Fläche zurückziehen. Darauf wollen er und seine SPD KollegInnen bestehen. Schaun wir mal.

Rein mit den Sozialdaten in die digitale EU-Brieftasche

Bei den Anhörungen der Sachverständigen, die für die Sozialkommission tätig werden durften, waren die für Marvi wichtigen Fragen: Wie kommen wir ohne Medienbrüche zu vollständig digitalen Prozessen? Wie schaffen wir ein intelligentes Lotsen- und Assistenzsystem für die digitale Beantragung von Leistungen, damit Menschen mit unterschiedlichem Zugang zur digitalen Welt mitgenommen werden können? Wie können mit Unterstützung von KI komplexe Inhalte und Verfahren für die Leistungsberechtigten verständlich, transparent und handhabbar dargestellt und in eine allgemein verständliche Sprache übersetzt werden? Wie bekommt man eine gute Verbindung zur EUDI-Wallet (digitale Brieftasche), die von der EU als zentrale Bürger*innen-App geplant ist? Die Sozialverwaltung, so wird es von der Politik gewünscht, soll europäisch anschlussfähig sein.

WER WIRD DIE AUFTRÄGE ZUM AUFBAU EINER DIGITALEN INFRASTRUKTUR FÜR ALLE SOZIALLEISTUNGEN AN WEN UND ZU WELCHEM PREIS VERGEBEN? Wer kontrolliert die Kontrolle des Datenschutz` ?


  • Marsi-Interview in der SoVD-Zeitung: Link

  • Mitglieder der Kommission
    "Nach Angaben der SPD sind unter anderem die stellvertretenden Parteivorsitzenden und DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi Teil der Kommission gewesen, außerdem Vertreter*innen aus den SPD-Arbeitsgemeinschaften wie Jusos oder der Arbeitsgemeinschaft für Arbeit. Die Kommission selbst ist in fünf Arbeitsgruppen organisiert." Vorwärts: Link

  • "Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird vertreten durch Marc Biadacz MdB, Peter Aumer MdB und Dr. Markus Reichel MdB." CDU/CSU: Link

  • Auf Seite 48 des Kommissionsberichts werden 24 Mitglieder der Kommission namentlich genannt. Davon 9 Personen aus 9 Bundesministerien, 5 aus 5 Bundesländern, 1 Person aus dem Bundeskanzleramt, 6 Bundestagsabgeordnete und drei Vertreter der Spitzenverbände: Deutscher Landkreistag, Deutscher Städtetag und Deutscher Städte- und
    Gemeindebund. Yasmin Fahimi ist dementsprechend nicht dabei.

  • Mehr über das Konzept: KOMMISSION ZUR SOZIALSTAATSREFORM (KSR) und die externen MitarbeiterInnen der Kommission, etwa die in der Begleitgruppe der Koalitionsfraktionen, die Stakeholder, die Experten, die im Steuerungsgremium oder in der Geschäftsstelle steht unter: Link

  • 26.1.2026: Sozialstaatskommission präsentiert ambitionierte Reformvorschläge für ein einheitliches Leistungssystem mit Pauschalierungen. Die Umsetzung bis 2027 steht jedoch unter Vorbehalt. Link

  • 7.12.2025: Smarter Sozialstaat als Leitbild für die Sozialstaatsreform
    Im Januar legte die Kommission ihren Bericht vor. Wie es danach weitergehen sollte, schreibt hier der Chef der Arbeitnehmergruppe in der CDU-/CSU-Fraktion im Bundestag, Stefan Nacke. Link

  • Am 27.1.2026 übergab die Kommission ihre Empfehlungen im Bundesministerium für Arbeit und Soziales an Bundesministerin Bärbel Bas. Kommissionsbericht unter: Link



  • 1 Link
    2 Infratest/Dimap verkürzt das Digitalprojekt in einer Umfrage für die WELT auf: "Aufbau eines Portals, um alle Sozialleistungen auch digital beantragen zu können".

    Quelle: BMAS, SoVD, table.media, Vorwärts, CDU/CSU