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Die Rente und das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate oder die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme

Foto: H.S.

10.02.2026 - von Karl-Heinz Goll

Der Text von Karl Marx zum tendenziellen Fall der Profitrate (TFP) steht im 3. Band des „Kapital“1 Es ist eine äußerst komplexe, nur mit höchster Konzentration nachvollziehbare Analyse. Marx schrieb dazu: „Es ist dies in jeder Beziehung das wichtigste Gesetz der modernen politischen Ökonomie und das wesentlichste, um die schwierigsten Verhältnisse zu verstehn. Es ist vom historischen Standpunkt aus das wichtigste Gesetz. Es ist ein Gesetz, das trotz seiner Einfachheit bisher nie begriffen und noch weniger bewusst ausgesprochen worden ist.“

Gilt das nicht auch heute noch – nach wie vor?

Der Profit – die „verwandelte Form oder die Erscheinungsform des Mehrwerts“ (Marx) entspringt ausschließlich der unbezahlten Mehrarbeit, dem Mehrwert, den die Arbeiter produzieren und die Kapitalisten kostenlos einstecken.

Die Profitrate ist das Verhältnis von Mehrwert (m) zum Gesamtkapital (p` = m / C + v).
p` = Profitrate; m = Mehrwert, dessen Masse = Profit, m = dessen einzige Quelle;
C = gesamtes konstantes Kapital
bestehend aus:
fixem Kapital („Sachanlagekapital“ - Gebäude, Maschinen...) und zirkulierendem Kapital (Roh- u. Hilfsstoffe, Energie, Vorprodukte)
v = variables Kapital (Löhne, Preis der Ware Arbeitskraft).

So einfach und überschaubar die Bruchformel der Profitrate auf den ersten Blick aussieht,
umso vielfältiger und komplexer sind die politisch-ökonomischen, gesellschaftlichen Bedingungen und Zusammenhänge, welche die 3 Größen m, C und v bestimmen bzw. beeinflussen.

Und:
Die Tendenz qua Konkurrenz zum Fall der Profitrate ist vor allem eine Triebkraft, die die kapitalistische Produktionsweise ständig in die Richtung wachsender Produktivität vorantreibt und damit die historische Dynamik des Kapitalismus, aber auch seine Beschränktheit bestimmt. Das Gesetz vom TFP ist ein ökonomisch-soziales, historisch bedingtes, politisch beeinflussbares Gesetz und keine abstrakte mathematische Formel.

Die Profitrate fällt keineswegs absolut, nur tendenziell. „Es müssen gegenwirkende Einflüsse im Spiel sein, welche die Wirkung des allgemeinen Gesetzes durchkreuzen und aufheben und ihm nur den Charakter einer Tendenz geben …“ (MEW 25, S. 242)

Die Tendenz zum Fall der Profitrate unterliegt „gegenwirkenden Ursachen“
z.B.:
Verlängerung des Arbeitstages, Intensivierung der Arbeit: m und p` steigen;

Löhne (und „Lohnnebenkosten“) senken:
v wird relativ kleiner, m größer ? die Profitrate p` steigt;

Verbilligung der Elemente des konstanten Kapitals: C wird kleiner: die Profitrate
p` steigt;

auch Staatsverschuldung, Steuersenkungen, Rentenkürzungen, Privatisierungen, Subventionen u.a. wirken direkt oder indirekt dem Fall der Profitrate entgegen.


Und damit sind wir bei der Rente

Die Rente zählt zum Lohnfonds der Arbeiterklasse. Jede Rentenkürzung wirkt dem Fall der
Profitrate entgegen und ist außerdem für das Kapital notwendig, auch um die internationale
Wettbewerbsfähigkeit des extrem exportabhängigen deutschen Kapitals zu „stärken“. Deshalb
muss der Staat des Kapitals alias „ideeller Gesamtkapitalist“ alles mögliche tun, um auch die Rente zu kürzen, d.h. die Beiträge zur Altersversorgung von den Löhnen zum Kapital
umzuverteilen.

Klar ist, dass die inzwischen aktive „Rentenkommission“ durchgängig aus Leuten besteht, die
nicht in der gesetzlichen Rente (GRV) versichert sind, dagegen anderweitig eine üppige
Versorgung zu erwarten haben, genauso wie nahezu sämtliche Bundestagsabgeordnete, die
über die Ergebnisse der Rentenkommission entscheiden. Ihre Aufgabe ist nichts anderes, als
die zur Profitsicherung erforderlichen „gegenwirkenden“ Maßnahmen des „ideellen Gesamtkapitalisten“ umzusetzen – bei aller parteipolitischen Pluralität.

Als Begleitmusik zur Rentenkommission läuft eine Parteien- und Medienkampagne, eine
mediale Kakophonie mit dem Zweck, Verwirrung zu stiften, um die Öffentlichkeit für die
Rentenkürzung respektive Umverteilung weichzuklopfen, insbesondere mit der Demografiekeule, dem „Bockshorn Alterung“.

„Reformen“ seien unvermeidlich, weil sonst ein Finanzkollaps drohe (von einem Finanzkollaps durch astronomische Rüstungslasten und die Zinsen der Sonderschulden“vermögen“ ist
nicht die Rede). „Alle Seiten - Beitragszahler, Rentner und der Staat - werden ihren Teil
beitragen müssen“, schreibt ein Pressekommentator.


Das Bockshorn Alterung, in das man das Volk hineinjagt

Die Alterung der Gesellschaft findet seit Jahrzehnten in langen Zeithorizonten statt und war in der Vergangenheit kaum weniger „gewaltig“, als das, was prognostiziert wird, ohne dass die umlagefinanzierten sozialen Sicherungssysteme zusammengebrochen sind.

Betrachtet man die prozentuale Aufteilung der Gesamtbevölkerung nach Altersgruppen über
einen längeren Zeitraum, und blickt auf das Verhältnis des „Erwerbstätigenpotentials“, z.B.
der Menschen im Alter zwischen 20 und 65 gegenüber der Summe aus Jungen (einschl.
Kindern) und Alten zusammengenommen, entdramatisiert sich das Bild.

Der Anteil der „Jungen“ und „Alten“ zusammengenommen hat in den 1990-iger Jahren ein Minimum erreicht und soll sich bis 2060 – so die amtliche Wahrsagung – wieder den Werten vom Ende des 19. Jahrhunderts annähern. Eine Gesellschaft, deren politische Ökonomie zur Armut an Kindern führt, muss sich überhaupt nicht wundern, dass sie relativ mehr Alte und weniger Junge zu ernähren hat (früher war es umgekehrt), der Aufwand gleicht sich jedoch bis zu einem gewissen Grad aus.

All das relativiert sich aber, wenn man die wirklichen ökonomischen Zusammenhänge betrachtet, beispielsweise, wie die Altersgruppe zwischen 20 und 65, die man in erster Näherung als das „Erwerbstätigenpotenzial“ betrachten kann, überhaupt (noch) im kapitalistischen Produktionsprozess benötigt wird oder wie das Produktivitätswachstum die Alterung kompensieren könnte.

„Demografismus“ – eine Pseudowissenschaft

Der zweite Tatbestand des Rentenbetruges nämlich, der kategorial gegen jede wissenschaftliche Seriosität verstößt, ist die völlig einseitige, katastrophische Überhöhung der Demografie gegenüber den wirklich maßgeblichen ökonomischen, sozialen und politischen Variablen.
„Randbedingungen“, wie z.B. geografische Lage, Größe, Alterszusammensetzung,
Besiedlungsdichte oder klimatische Verhältnisse sind niemals ausschlaggebend für die
Ökonomie, sonst gäbe es keine ökonomischen Unterschiede (von ökonomisch-historischen ganz zu schweigen) unter vergleichbaren Bedingungen oder keine vergleichbaren Ökonomien bei unterschiedlichsten Randbedingungen.

Durch die Überhöhung der gesellschaftlichen Alterung zur ökonomischen Schicksalsdeterminante wird den vom Marktradikalismus entfesselt unterschiedlichsten Verelendungsmechanismen des Kapitalismus der Rang einer unabweisbaren Naturgesetzlichkeit verliehen. Der Blick auf die wirklichen Ursachen und Zusammenhänge wird verstellt. Dieser „Demografismus“, d.h. die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme steht damit methodisch auf einer Stufe mit biologistischen, sozialdarwinistischen oder rassistischen Ideologien.

Der demografische Wandel steht in einer Folgebeziehung zur ökonomischen Entwicklung. Soweit
eine Wechselwirkung besteht, sind allerdings die „Reformen“ - auch die, die mit der Alterung begründet werden - direkt kontraproduktiv, weil deren erklärtes Ziel, die „Senkung der Arbeitskosten“ und „Lohnnebenkosten“, die Reproduktionsbasis lohnabhängiger Familien
unterminiert.

So lässt sich ein Zusammenhang zwischen der rückläufigen Geburtenrate (1970: ca. 2,0 heute: 1,35) und dem Anwachsen der Erwerbstätigenquote von Frauen bei gleichzeitig stagnierenden bis rückläufigen Realeinkommen und unzureichenden Kinderbetreuungseinrichtungen aufzeigen. Ein einziges Einkommen reicht in der Regel nicht mehr; beide Eltern müssen arbeiten; Kinder sind zunehmend Armuts- und Karriererisiko. Wo das „Erwerbspersonenpotential“ im Niedriglohnsektor wächst, steigt mit der Kinderarmut auch die Armut an Kindern.


Die versicherungsfremden Leistungen

Es gibt ein ständiges Lamento über die wachsenden Bundeszuschüsse zur GRV. Dabei sind
diese Zuschüsse nur teilweise ein Ausgleich für versicherungsfremde Leistungen, die der
GRV aufgelastet sind, obwohl sie eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wären, die der Staat
zu leisten hat.

Mit der sogenannten Teufel-Tabelle2 wird nachgewiesen, dass der Anteil der versicherungsfremden Leistungen an den Rentenausgaben insgesamt zwischen 34 und 40 Prozent ausmachte. Der Anteil der dafür zur Verfügung gestellten Bundesmittel bewegt sich dagegen seit Jahren zwischen 26 und 27 Prozent, so dass sich ein mit den Rentenausgaben wachsender Fehlbetrag seit 1957 von inzwischen über 1 (i.W. einer Billion) Euro zu Lasten der Versicherten und Rentner ergibt.


Die angedachten, voraussichtlichen „Maßnahmen“ der Reihe nach

1. Lebens-Arbeitszeit verlängern (bis 70?)


Jede Verlängerung der Lebensarbeitszeit ist per se eine Rentenkürzung, wobei hinzukommt,
dass viele das erhöhte Lebensalter gar nicht erreichen, deren Rente also per Tod „eingespart“ wird.

Die Rentenkommission muss sich etwas einfallen lassen, denn schon jetzt ist die Rente ab 67 für viele Berufstätige Schwerarbeit. Unter viel Stress und mit Gesundheitsproblemen
kaum erreichbar, sodass sie die Rente mit Abschlägen antreten müssen.
Die bereits eingeführte „Aktivrente“: wer 5.000 Euro brutto verdient und nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterarbeitet, muss nur 3.000 Euro versteuern – 2.000 Euro sind
steuerfrei, ist nur nur diejenigen machbar, die nicht zu den o.g. benachteiligten Berufstätigen zählen.


2. Betriebsrenten, „Entgeltumwandlung“

Betriebsrenten sind insbesondere ein Steckenpferd von SPD und SPD-dominierten Gewerkschaften. Sie ist Gegenstand bei Tarifverhandlungen, quasi das Trostpflaster bei
niedrigen Tarifabschlüssen und sie bietet Betriebsräten Gelegenheit zur Profilierung und
Mitgliederwerbung.
Früher waren Betriebsrenten eine Leistung von Arbeitgebern, die damit eine „Bindung“ ihrer
Belegschaften an den Betrieb erreichen wollten. Inzwischen ist aber die sog. „Entgeltumwandlung“ üblich, bei der die Beiträge für die Betriebsrenten aus dem Arbeitslohn finanziert, d.h. den Arbeitnehmern aufgedrückt sind. Perfider Weise kommt hinzu, dass durch die damit verbundene Lohnsenkung sich die spätere gesetzliche Rente kürzt.


3. Das weite Feld der „privaten“ Zusatzvorsorge

Privatvorsorge jeglicher Art bedeutet, dass sie allein von den Beschäftigten aufzubringen
ist – ohne Arbeitgeberanteil, eine tolle Entlastung also fürs Kapital. Kein Wunder ist
dementsprechend die mediale Dauerpropaganda für diese Art der Vorsorge.
Ein erster Versuch dazu, beim Rentenbetrug der Agenda 2010, war die Einführung der inzwischen wegen hoher Provisionen, geringer Renditen und einem Dschungel an “Produkten“ stark in Misskredit geratenen Riester-Rente, von der „Investor“ Carsten Maschmeyer als einer „sprudelnden Ölquelle“ für die Finanzindustrie schwärmte. Diese Riester-Rente soll reformiert werden.

Grob geschätzt, müssen gesetzlich Versicherte, um ihren Lebensstandard im Alter
einigermaßen zu wahren, bis zu 10% ihres Bruttolohns der Finanzindustrie in den Rachen
werfen. Geringverdiener, die sich so etwas nicht leisten können, landen in der Altersarmut.
(Mit Sport und gesunder Ernährung hilft da Flaschen Sammeln bis ins hohe Alter.)

Es sind diverse Modelle der kapitalgedeckten Privatvorsorge verfügbar bzw. sind im Gespräch. Bei den derzeit boomenden Aktienmärkten ist die aktienbasierte spekulative „Kapitaldeckung“ en vogue.


4. Beamte und Abgeordnete in die GRV einbeziehen

Damit liebäugelt u.a. auch die SPD; Sozialministerin Baas hat sich dementsprechend
geäußert. Beamte beziehen wesentlich höhere Pensionen, als gesetzlich Versicherte an Rente. „Das jetzige System ist zutiefst ungerecht. … Das krasse Missverhältnis zwischen Renten und
Pensionen muss eine große Rentenreform zwingend adressieren“, meint MdB Dietmar Bartsch von der Linkspartei.
Mit diesem Thema hätte die Rentenkommission eine höchst harte Nuss zu knacken. Ein
„Ausgleich“ ist nur durch Kürzung der Pensionen denkbar, wohl kaum durch Rentenerhöhungen. Es ist fraglich, ob im Bundestag bei hohem Beamtenanteil der Abgeordneten und einer gut geölten Beamtenlobby etwas nennenswertes herauskommt.


5. Selbstständige, Mieteinnahmen und Aktien- und Kapitalerträge einbeziehen
Solche Ideen werden u.a. in SPD-Kreisen ventiliert. Hier wiederum stellt sich die Frage, ob
und wie weit z.B. die CDU, auch entsprechende Lobbyverbände und Advokaten des Finanzparasitismus sich querlegen.


6. Beitragsbemessungsgrenze

Diese jährlich anzupassende Einkommensgrenze (derzeit 8.450 € pro Monat) bedeutet, dass
Spitzeneinkommen über dieser Grenze keine Beiträge mehr zahlen müssen – ein Geschenk
für die reiche Klientel. Laut Wikipedia entgehen der deutschen Rentenversicherung
jährlich geschätzt zwischen 10 und 15 Milliarden Euro durch die Beitragsbemessungsgrenze.
Es gibt schon lange Forderungen nach Abschaffung dieser Grenze. Die große Frage ist, ob
und wie weit die neue Rentenkommission diese heilige Kuh ins Visier nimmt.


7. AfD zur Rente

Die AfD - als Opposition um wohlfeile Forderungen nicht verlegen - fordert „vor allem eine
signifikante Erhöhung“ der Renten. Dafür brauche es zum einen mehr Beitragszahler, etwa
indem Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden und indem es
weniger Beamte gibt. Nur noch Menschen, die mit „Hoheitsaufgaben“ betraut sind, sollen
auch verbeamtet werden, „so dass die große Mehrheit der Staatsbediensteten in die Rentenversicherung einzahlt“.

Die Elternschaft soll bei der Rente höher vergütet werden. Da steckt der völkische Rassismus der AfD dahinter, mit dem nach erfolgreicher Zurückweisung von Ausländern an den
Grenzen, nach erfolgreicher „Remigration“ und Säuberung der Stadtbilder sich die Zahl
arischer Kinder signifikant erhöhen soll.
Die AfD lehnt eine Anhebung der Regelaltersgrenze über das 67. Lebensjahr hinaus ab.
Außerdem heißt es im AfD-Wahlprogramm, die Verrentung solle „flexibler und gerechter“
gestaltet werden. Nach 45 Beitrags-berechtigten Arbeitsjahren soll man abschlagsfrei in
Rente gehen können. Indem sie die Steuern für Beschäftigte und Unternehmen senken will,
möchte die AfD anstehende Rentenbeitragsanhebungen ausgleichen. Zudem möchte sie Menschen, die im Rentenalter noch erwerbstätig sind, einen zusätzlichen Steuerfreibetrag von 12.000 Euro im Jahr einräumen.


Historische Aspekte des TFP -Jenseits der Rentenproblematik

Man kann feststellen, wie der tendenzielle Fall der Profitrate die Kompensation durch vielfach gesteigerte Warenmassen und eine dementsprechend höhere Profitmasse hervorbringt.
Durch die qua Konkurrenz ständige Produktivitätssteigerung (per Mechanisierung, Automatisierung, Digitalisierung etc., - „mit immer weniger Leuten wird immer mehr produziert“) ist in vielen einzelnen Waren immer weniger gesellschaftlich-durchschnittliche Arbeitszeit kristallisiert (was letzten Endes geringeren Profit pro einzelner Ware bedeutet); ergo: viele Waren werden relativ immer billiger, was sich durch die gesteigerte (automatisierte) Massenproduktion mit höheren Warenumsätzen wettmacht.

Infolgedessen überschwemmen ungeheuer angeschwollene Warenfluten mit ihren Abfallprodukten den Globus, wofür die Ressourcen unwiderruflich geplündert, verheizt und vergeudet werden. Zugleich wird aber auch die Ware Arbeitskraft billiger, da diese sich mit den
„wohlfeileren“ Waren reproduziert, d.h. die sinkenden Warenwerte gehen einher mit relativ
sinkenden Löhnen – was mehr oder weniger nominal durch die gleichzeitige „säkulare
Inflation“ überdeckt, und auch durch erfolgreiche Lohnkämpfe zeitweise konterkariert wird.

Das Kapital strebt – getrieben von wachsender Produktivität nach dem Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate – nach grenzenloser internationaler Expansion und Akkumulation, jedoch ein-gebannt in die staatlichen Formen. Dieser Expansionsdrang, dieser innere Druck auf die staatliche Organisation muss daher unbedingt durch eine mehr oder weniger expansive, aggressive imperialistische Politik der konkurrierenden Staaten gegeneinander zum Ausdruck kommen – je nach dem Maß ihrer kapitalistischen und militärischen Potenziale bis zum Krieg als ultima Ratio des Imperialismus.

Immer mehr Staaten haben inzwischen einen Entwicklungsstand erreicht, mit dem sie am
globalen Konkurrenzkampf um Rohstoffe, Absatzmärkte, Kapitalexport, militärische Rüstung
und Einflusszonen teilnehmen. Entgegen dem Euphemismus von einer „friedlichen
multipolaren Welt“ handelt es sich tatsächlich um eine multi-imperialistische Welt der
heftigsten Konkurrenz, des Wettrüstens und der Kriege. Zuvor war die „regelbasierte Weltordnung“ ein allzu schöner Traum.


1 (Marx-Engels-Werke, Band 25, Seite 221-277).
2 siehe: Link
altersvorsorge/1387-versicherungsfremde-leistungen-2015)

Quelle: Karl-Heinz Goll, Januar 2026

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07.01.2026: MACHTBESOFFEN
31.12.2025: Produktivität „digitaler Arbeit“ aus marxistischer Perspektive
18.10.2025: Nie wieder Krieg - Die Charta der Vereinten Nationen

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