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Maschinenbau in der Krise: Patronenhülsen statt Zündkerzen

Foto: H.S.

24.04.2026 - von German Foreign Policy

Immer mehr Unternehmen des schwer in die Krise geratenen deutschen Maschinenbaus suchen sich per Hinwendung zur Rüstungsproduktion vor Verlusten oder gar einem Bankrott zu retten. Dies hat die diesjährige Hannover Messe bestätigt, die am heutigen Freitag zu Ende geht. Erstmals gab es dort einen eigenen Bereich für Unternehmen, die als Zulieferer in die Herstellung von Waffen aller Art integriert sind. Die Krise des Maschinenbaus verstärkt sich zusehends; die Produktion bricht ein, die Zahl der Beschäftigten schrumpft kontinuierlich. Als Ausweg bietet sich die Umstellung auf Rüstungsgüter an. So erklärt ein Hersteller von Maschinen zur Zündkerzenfertigung, seine Maschinen ließen sich leicht für die Fertigung von Patronenhülsen transformieren. Dabei wird als Vorteil eingestuft, dass die inzwischen sehr starke chinesische Konkurrenz für Rüstungsaufträge nicht in Frage kommt. Der Rüstungsanteil im Maschinenbau könne leicht auf das Doppelte steigen, heißt es in der Branche. Die Militarisierung der Wirtschaft zieht auch den Arbeitsalltag der Beschäftigten in ihren Bann und macht eine zunehmende Anzahl an Menschen materiell abhängig von Rüstung und Militär – auch in anderen Branchen.


Maschinenbau in der Krise

Wie Deutschlands Paradebranche, die Autoindustrie, und der drittgrößte Sektor, die Chemie, steckt auch die zweitgrößte Branche der Bundesrepublik, der Maschinenbau, in einer ernsten Krise. Zuletzt erzielte sie einen Jahresumsatz von 280 Milliarden Euro und beschäftigte 933.000 Menschen, rund 22.000 weniger als im Jahr 2024 und 70.000 weniger als 2019. Die Produktion der Branche ging 2024 um acht Prozent, 2025 erneut um fünf Prozent zurück [1]; in den ersten zwei Monaten 2026 schrumpfte sie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um weitere zwei Prozent [2]. Die Auslastung der Fabriken wird zur Zeit mit nur noch 77 Prozent angegeben. Auch die Bestellungen kollabieren: Im Zeitraum von Dezember 2025 bis Februar 2026 brachen sie um real acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein.[3] Ursachen sind nicht zuletzt die US-Zölle, die die bislang äußerst lukrative Ausfuhr in die USA belasten, aber auch die rasant erstarkte Konkurrenz in China, die inzwischen Maschinen mit ähnlicher Qualität zu erheblich niedrigeren Preisen liefert, und dies in höherem Tempo.[4] Die deutsche Ausfuhr in die Volksrepublik schrumpft, während die Maschinenimporte aus China steigen. Beides drückt den Absatz der deutschen Branchenunternehmen. Prinzipielle Verbesserungen sind aus deutscher Perspektive trotz diverser Appelle nicht in Sicht.

Von Zündkerzen zu Patronenhülsen

In dieser Lage setzen zahlreiche Maschinenbauer ihre Hoffnung auf die Rüstungsindustrie. Aktuell werde der Rüstungsanteil im Maschinenbau auf zwei bis fünf Prozent des Umsatzes geschätzt, teilt der Maschinenbauverband VDMA mit. „Dieser Anteil“ könne sich aber mit Blick auf das rasante Wachstum der deutschen Waffenproduktion „innerhalb von 3 bis 5 Jahren verdoppeln“.[5] Das werde zwar „den Rückgang der Aufträge aus der Autoindustrie“ nicht ausgleichen können, räumt VDMA-Präsident Bertram Kawlath ein.[6] Dennoch stufen nach einer internen Umfrage des Verbandes 63 Prozent seiner Mitgliedsunternehmen die Rüstungsbranche als „wichtige“ oder gar „sehr wichtige“ künftige Kundin ein. Mehr als 40 Prozent rechnen für 2026 und 2027 mit jeweils zweistelligem Wachstum ihres Umsatzes mit Waffenschmieden – dies umso mehr, als bei Rüstungsprodukten die chinesische Konkurrenz außen vor ist. Starken Zulauf vermeldet das neue VDMA-Forum Security & Defence. Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) hat für seine spezialisiertere Klientel wegen des deutlich gestiegenen Interesses erst vor kurzem einen „Branchenmonitor Rüstungsindustrie“ vorgelegt. Exemplarisch heißt es beim Kölner Werkzeugmaschinenbauer Alfred H. Schütte, der etwa Maschinen zur Zündkerzenfertigung herstellt, man könne diese leicht umbauen – etwa auf die Herstellung von Zündern oder Patronenhülsen.[7] ...
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Quelle: German Foreign Policy