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Der weltweite Tag gegen Gewalt an älteren Menschen

Foto: H.J.

15.06.2026 - von H.S.

Um die Schutzlücken im internationalen Menschenrechtsschutzsystem und die Vorteile einer UN-Konvention für die Rechte Älterer wird es in der ersten Sitzung der Intergovernmental Working Group (IGWG) der UN vom 13.bis 17.7.2026 gehen. Leider hat der weltweite Tag gegen Gewalt an älteren Menschen in Deutschland am 15.6.2026 erneut kaum Resonanz gefunden.

In Australien finden an diesem wichtigen Tag z.B. auf dem ganzen Kontinent Veranstaltungen statt, damit Menschen zusammenkommen und über Gewalt gegen ältere Menschen sprechen, damit sie sensibilisiert werden dafür, dass es Gewalt in allen nur denkbaren Formen nicht nur gegen Kinder und Frauen, sondern auch gegen ältere Menschen gibt.

Der UN-Experte für die Wahrnehmung aller Menschenrechte durch ältere Menschen ist durch eine Resolution des Menschenrechtsrats beauftragt worden, das Bewusstsein für all die Herausforderungen zu schärfen, mit denen ältere Menschen zu tun haben, wenn sie sich über diese Rechte informieren wollen und wenn sie diese Menschenrechte wahrnehmen wollen.

- Mit Gewalt gegen ältere Menschen ist nicht nur körperliche Gewalt gemeint.

- Dazu gehört z.B. die Altersdiskriminierung durch die Gestaltung des Öffentlichen Raums, die keine Rücksicht nimmt auf die speziellen Bedürfnisse älterer Menschen.

- Dazu gehören sprachliche und digitale Zugangs- und Verständigungsbarrieren,

- die Altersdiskriminierung im Berufsleben,

- der erschwerte Zugang zu Gebäuden und Organisationen,

- Isolation,

- Vernachlässigung durch Anverwandte, professionelle PflegerInnen oder Ärzte,

- die finanzielle Ausbeutung durch Verwandte, staatlich bestellte Betreuer oder Betrüger,

- der Missbrauch durch physische und psychische Gewalt und die Verhinderung der Befriedigung grundlegender Bedürfnisse.


Gewalt im Alter sichtbar machen und bekämpfen

Anlässlich des Internationalen Tages gegen die Misshandlung älterer Menschen am 15. Juni 2026 weist die BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen auf den unzureichenden Schutz älterer Menschen vor Gewalt hin und fordert die Bundesregierung auf, bestehende Schutzlücken zu schließen. ...
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Zum Internationalen Tag gegen die Misshandlung älterer Menschen: Berlin setzt auf Stärkung und Selbstbestimmung

Zum heutigen World Elder Abuse Awareness Day – dem Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen – betont die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege (SenWGP) die Bedeutung von Schutz und Selbstwirksamkeit älterer Menschen. In Berlin werden ältere Menschen durch gezielte Strukturen und gesetzliche Grundlagen geschützt und darin gestärkt, für ihre Rechte einzustehen.

Eine wichtige Säule dafür bildet das vom Abgeordnetenhaus im Mai 2026 verabschiedete Altenhilfestrukturgesetz, das die Umsetzung der Altenhilfe für Berlin konkretisiert. Denn nur durch verlässliche und rahmengebende Strukturen kann Gewaltprävention erfolgreich umgesetzt werden. Der Zugang zu Informationen ist das zentrale Element, damit selbstbestimmte Seniorinnen und Senioren wissen, welche Rechte sie haben, wie Missstände früh erkannt werden und wo Unterstützung und Hilfe zu finden sind.

Berlin setzt hierbei auf eine Vielfalt niedrigschwelliger präventiver Angebote, wie die von der SenWGP in allen zwölf Bezirken geförderten Berliner Hausbesuche. Dadurch werden ältere Menschen befähigt, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten – sei es durch Beratungs- und Teilhabeangebote oder den Austausch in Selbsthilfegruppen. Dies gilt auch und gerade für Menschen in pflegerischen Zusammenhängen – seien sie pflegebedürftig oder Pflegende.

Ein weiterer wichtiger Baustein zur Vorbeugung ist die durch das Land geförderte Fachberatungsstelle Pflege in Not. Hier erhalten pflegebedürftige Personen und Pflegende niedrigschwellige, kostenlose, auf Wunsch aufsuchende und anonyme Beratung. Auch beruflich Pflegende können sich mit ihren Fragen vertrauensvoll an die Fachberatungsstelle wenden. Einrichtungen erhalten im Rahmen der Möglichkeiten der Beratungsstelle Schulungen für unterschiedliche Mitarbeitergruppen. Auch die Begleitung von Vermittlungsgesprächen oder Fallkonferenzen ist möglich.

Beratungs- und Entlastungsangebote für pflegende An- und Zugehörige zielen darauf, die Gesundheit und das Wohlergehen informell Pflegender zu fördern. Auch dies ist ein Beitrag zu einer möglichst sicheren und respektvollen Pflege. Der Schutz vor Gewalt ist zudem bereits seit 2021 in den Gesetzeszweck des Berliner Wohnteilhabegesetzes aufgenommen. Dort sind konkrete Pflichten für Leistungsanbieter und Leitungskräfte von Einrichtungen definiert.

Die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Dr. Ina Czyborra: „Gewalt gegen ältere Menschen gibt es auch in Berlin. Sie tritt häufig in Form von Vernachlässigung und psychischer oder physischer Misshandlung auf, wie zum Beispiel in Pflegesettings. Berlin setzt hier im Besonderen auf Prävention, Selbstbestimmung und klare rechtliche Grundlagen, um älteren Menschen ein Leben in Würde und Sicherheit zu ermöglichen. Ältere Menschen in der Wahrnehmung ihrer Rechte zu stärken und Gewalt und Misshandlung gegen ältere Menschen vorzubeugen, ist eine Aufgabe, die wir alle gemeinsam angehen müssen. Deshalb hat sich Berlin in den vergangenen Jahren auf Bundesebene intensiv für die Förderung des Gewaltschutzes in stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten eingesetzt. Wir versorgen Berlin gut und sicher und setzen uns dafür ein, dass alle Menschen in Berlin besser und gesünder leben können.“
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Gewalt im Alter sichtbar machen und bekämpfen

Gewalt gegen ältere Menschen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die dbb bundesseniorenvertretung fordert den Ausbau wirksamer Schutzstrukturen.

„Viele ältere Menschen verschweigen ihre Gewalterfahrungen aus Scham, Angst oder Abhängigkeit. Das macht deutlich: Wir müssen Strukturen schaffen, die Schutz bieten und Vertrauen ermöglichen“, erklärte der Vorsitzende der dbb bundesseniorenvertretung, Horst Günther Klitzing, aus Anlass des Internationalen Tages gegen die Misshandlung älterer Menschen am 15. Juni. „Gewalt im Alter darf nicht tabuisiert werden. Sie betrifft die Grundrechte von Menschen und fordert unser entschiedenes Handeln.“

Die dbb bundesseniorenvertretung fordert, Gewalt im Alter konsequent sichtbar zu machen und wirksam zu bekämpfen. Das Recht auf ein Leben in Würde, Sicherheit und Selbstbestimmung darf weder im privaten noch im öffentlichen Raum eingeschränkt werden.

Gewalt gegen ältere Menschen ist keine Randerscheinung, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Sie tritt in unterschiedlichen Formen auf: körperliche Übergriffe, psychische Gewalt wie Demütigungen und Einschüchterungen, finanzielle Ausbeutung sowie Vernachlässigung oder entwürdigende Behandlung – auch in Pflege- und Betreuungssituationen. Besonders gefährdet sind Menschen, die auf Unterstützung angewiesen oder sozial isoliert sind.

„Abhängigkeit von nahestehenden Personen und die Sorge, niemand werde ihnen glauben, führen häufig genug dazu, dass Gewalterfahrungen verborgen bleiben“, betonte Klitzing. „Wer in seiner Mobilität eingeschränkt, auf Pflege angewiesen ist oder isoliert lebt, hat kaum Möglichkeiten, Hilfe zu holen oder sich einer belastenden Situation zu entziehen.“

Die dbb bundesseniorenvertretung fordert deshalb mehr Aufmerksamkeit im Alltag, bessere Aufklärung über Warnsignale und niedrigschwellige, verlässliche Hilfsangebote. Notwendig sind wirksame Schutzstrukturen für Betroffene, eine stärkere Unterstützung pflegender Angehöriger, qualifizierte Ansprechstellen sowie eine gesellschaftliche Kultur des Hinschauens anstatt des Wegsehens. Horst Günther Klitzing: „Ältere Menschen haben das Recht auf ein Leben in Sicherheit, Würde und Respekt – dieses Recht gilt es überall und jederzeit zu schützen. Eine altersgerechte Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit ihren verletzlichsten Mitgliedern umgeht.“ Gewalt im Alter zu verhindern, sei Voraussetzung für echte Teilhabe und soziale Sicherheit im Alter.

Hintergrund: Der Internationale Tag gegen die Misshandlung älterer Menschen (World Elder Abuse Awareness Day) findet jedes Jahr am 15. Juni statt. Er wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um auf Gewalt, Vernachlässigung und Ausbeutung älterer Menschen aufmerksam zu machen und für Präventionsmaßnahmen zu sensibilisieren.

Gewalt gegen ältere Menschen hat viele Gesichter. Sie reicht von körperlichen Übergriffen über psychische Demütigungen, Einschüchterungen und Beleidigungen bis hin zu finanzieller Ausbeutung, etwa durch Druck, unzulässige Einflussnahme oder missbräuchliche Verfügungen über Geld und Eigentum. Hinzu kommen Vernachlässigung, Freiheitsentzug, sexualisierte Übergriffe sowie entwürdigende Behandlung im Alltag oder in Pflegesituationen. Gerade dort, wo Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, entstehen besondere Risiken, wenn Machtgefälle, Überforderung oder mangelnde Sensibilität aufeinandertreffen.
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Quelle: diverse