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Vorschläge der Rentenkommission

Foto: H.S.

22.06.2026 - von DLF, Handelsblatt

Vorschläge der Rentenkommission im Überblick
Die Bundesregierung will die Altersvorsorge reformieren und hat dazu eine Expertenkommission eingesetzt. Nach fünfeinhalb Monaten Beratungszeit hat sich das aus Fachleuten und Politikern bestehende Gremium Medienberichten zufolge auf 30 Vorschläge für die Rente der Zukunft geeinigt. Ein Überblick über die wichtigsten Empfehlungen.

Rentenalter soll auf 70 steigen

Das Renteneintrittsalter soll an die Lebenserwartung gekoppelt werden und in den kommenden Jahren langsam ansteigen – ab 2041 alle zehn Jahre um ein halbes Jahr. Den Berechnungen der Kommission nach bedeutet das, dass Beschäftige 2041 erst mit 67,5 Jahren und 2051 dann mit 68 in Rente gehen können. In den 2090er-Jahren würde dann die Rente mit 70 gelten. Die Berechnungen sollen regelmäßig überprüft werden.


Rente mit 63 soll gestrichen werden

Um die Ausgaben für die Rente zu senken soll den Empfehlungen zufolge ein früherer Renteneintritt ohne Abschläge wie die sogenannte „Rente mit 63“ nicht mehr möglich sein. Für Menschen mit belastenden Arbeitsbiographien und gesundheitlichen Problemen soll es aber neue Regelungen geben.


Rentenbeiträge sollen teilweise in den Aktienmarkt fließen - kapitalgedeckte Zusatzrente

Ein Teil der Rentenbeiträge von AG und AN soll künftig am Aktienmarkt angelegt werden. In diese neue Kapitalsäule sollen später bis zu zwei Prozent vom Bruttolohn fließen, zu Beginn sind 0,5 Prozent angedacht. Davon wird je die Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern eingezahlt. Diese kapitalgedeckte Zusatzrente folgt dem schwedischem Modell, sie soll von einem Staatsfonds verwaltet werden und verpflichtend sein.
Mit den erhofften Erträgen will die Kommission das Rentenniveau bei 48 Prozent stabil halten. Langfristig soll es für Neurentner sogar ein Rentenniveau von 50 Prozent geben.


Beitragssatz soll bis 2028 von 18,6 auf 19,9 Prozent steigen

An der bisherigen Prognose, dass der Beitragssatz bis 2028 von heute 18,6 auf 19,9 Prozent ansteigt, ändert sich dadurch nichts.


Jährliche Rentenanpassung

Die jährlichen Erhöhungen sollen niedriger ausfallen und das Sicherheitsniveau soll sinken.
(Handelsblatt)


Abgeordnete und Selbstständige sollen in Rentenkasse einzahlen

In Zukunft sollen mehr Menschen in Deutschland in die Rentenkasse einzahlen. Dazu gehören nach den Vorschlägen der "Experten" Berufspolitiker wie Abgeordnete. Geplant ist zudem die Einbindung von Selbstständigen in die gesetzliche Rente, wenn diese ein Gewerbe neu anmelden und nicht über eine berufsspezifische Pflichtkasse abgesichert sind. (z.B. Ärzte, Zahnärzte, Notare, Architekten ...) Eine Einbindung von Beamten ist vorerst allerdings nicht geplant. Selbsständige ohne obligatorische Absicherung sollen ebenfalls zur Zahlung von Rentenbeiträgen verpflichtet werden. Allerdings mit großzügigen Widerspruchsmöglichkeiten. (Handelsblatt, 22.6.26


Beamte

Verbeamtet werden soll nur noch, wer hoheitsstaatliche Aufgaben wahrnimmt
Reformen bei der Rente sollen "wirkungsgleich" auf die Altersversorgung der Beamten übertragen werden. Niveau der Beamtenpensionen soll stärker gesenkt werden.Sicherungsniveau der Rente seit Anfang 2000 von rund 53 Prozent auf 48 Prozent gesunken, das der Ruhestandsgehälter im gleichen Zeitraum von 75 auf 71,25 Prozemt, das sei "etwa halb so stark". (Handelsblatt 22.6.)


Vorstandsvorsitzende von Aktienkapitalgesellschaften

Sie zahlen bisher keine weder Renten- noch Arbeitslosenversicherung weil sie nicht als BürgerInnen gelten, sondern als "Organe". Vorgeschlagen wird nun von der 13köpfigen Kommission, dass für sie eine Rentenversicherungspflicht eingeführt werden soll. (Handelsblatt, 22.6.26)


Minijobs sollen nur noch SchülerInnen machen können

Minijobs, die von Beiträgen für die Rentenkasse befreit sind, soll es künftig nur noch für Schüler geben.


Rentenreform soll Lebensstandard für kleine und mittlere Einkommen sichern

Laut der Kommission unter der Verwaltungswissenschaftlerin Constanze Janda und dem früheren Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sollen die Maßnahmen in Zukunft die Sicherung des Lebensstandards im Alter auch für kleinere und mittlere Einkommen garantieren.

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Arbeitnehmer und Sozialverbände enttäuscht von den Vorschlägen der Rentenkommission

Enttäuscht zeigte sich der Sozialverband Deutschland. Vor allem der Einstieg in die Kapitaldeckung mache ihr Sorgen, sagte die Verbandsvorsitzende Engelmeier. Erträge aus der Kapitaldeckung an die gesetzliche Rentenversicherung seien nicht kalkulierbar. Es sei zudem die Chance vertan worden, alle Beschäftigten in die Gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen.

Verdi-Chef Werneke kritisierte, trotz mancher guter Vorschläge gingen die Pläne der Kommission im Kern an der Lebenswirklichkeit der arbeitenden Menschen vorbei. In sehr vielen Berufen seien die körperlichen und psychischen Belastungen so hoch, dass schon ein Renteneintrittsalter mit 67 Jahren für viele Menschen unerreichbar sei. Kritik ?kam auch von ?der IG Metall. Sollte geplant sein, das beitragsfinanzierte Rentenniveau abzusenken und die Rente ?ohne Abschläge nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen, werde dies in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie auf heftige Ablehnung treffen.

Der Handelsverband Deutschland teilte mit, die in den Kommissionsvorschlägen vorgesehene Abschaffung von Minijobs wäre ein gefährlicher Irrweg. „Das vernichtet Hunderttausende Jobs im Einzelhandel. Denn viele Minijobber können beispielsweise wegen fehlender Möglichkeiten zur Kinderbetreuung gar nicht Vollzeit arbeiten“, ?sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Genth der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Vorschläge der Rentenkommission, die am Wochenende bekannt geworden sind, haben eine breite Debatte ausgelöst.

Bundesarbeitsministerin Bas sprach von einem „Gesamtkunstwerk“, das nun diskutiert werden müsse. Die geplante Abschaffung der abschlagsfreien früheren Rente soll nach Aussage von Bundesarbeitsministerin Bas von Schritten zum Schutz von unmittelbar Betroffenen flankiert werden. Die Regierung müsse schauen, dass die Frühverrentungen reduziert werden, allerdings sollten ein Vertrauensschutz für Übergangsfristen gelten. Im Grundsatz lobte Bas bei einem Bürgerdialog in Berlin die am Vortag bekanntgewordenen Empfehlungen der Regierungskommission zur Alterssicherung. Gut sei, „dass über alle Generationen jetzt geguckt wird: Wie können wir die Rentenversicherung für alle Generationen bezahlbar halten?“ Ansonsten würden die Beiträge in den nächsten Jahren laut Bas enorm steigen, weil die Babyboomer in Rente gingen. Alle müssten ein Stück weit dazu beitragen, dass dies nicht passiere.

Der[ b]Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Radtke,[/b] wertete die Vorschläge in den Zeitungen der Funke Mediengruppe als „starke Grundlage“. Zu Details wollte er sich zwar noch nicht äußern, aber das wichtigste Signal sei, dass es ein einstimmiges Votum gebe. Dennoch könnte es auch innerhalb der Koalition aus CDU, CSU und SPD weiterhin Konfliktpotenzial geben. Die SPD will das Rentenniveau sichern und Einschnitte bei langjährig Versicherten vermeiden. Die Union dringt stärker auf Generationengerechtigkeit, längeres Arbeiten und Begrenzung des Beitragsanstiegs.

Haßelmann (Grüne): „Fehler, das Rentenniveau nicht bei 48 Prozent zu stabilisieren“
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Haßelmann betonte, es sei ein Fehler das Rentenniveau nicht bei 48 Prozent zu stabilisieren. In Ostdeutschland etwa seien mehr als 70 Prozent der Menschen auf die Gesetzliche Rentenversicherung angewiesen, erklärte Haßelmann der Nachrichtenagentur AFP. Diese hätten keine Sicherheit, falls die Kommissionsempfehlungen umgesetzt würden. Positiv bewertete es Haßelmann, dass die Kommission eine Stärkung der Kapitaldeckung bei der Rente und eine weitgehende Abschaffung der so genannten Rente mit 63 vorschlägt.

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Springer, wies auf „brauchbare Vorschläge“ in der Kommissionsbericht hin – etwa, Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Dies sei eine Forderung der AfD, sagte Springer ebenfalls der Nachrichtenagentur AFP. Generell liefen die Empfehlungen aber darauf hinaus, dass Menschen länger arbeiten und höhere Beiträge zahlen müssten. Das sei Rentenpolitik zulasten der Beschäftigten.

Die Linken-Fraktionsvorsitzende Reichinnek wies die Vorschläge als „Schlag in die Magengrube“ zurück. Es werde mehr Druck auf die Menschen gemacht, anstatt ein Rentensystem anzugehen, in das alle Erwerbstätigen einzahlten, sagte sie dem Portal „web.de“.


Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Fratzscher, forderte Änderungen an den Empfehlungen der Rentenkommission. Der „Rheinischen Post“ sagte Fratzscher, die Vorschläge gingen in die richtige Richtung, seien aber nicht weitreichend genug. Auf absehbare Zeit würde nichts Grundlegendes an den drei größten Problemen geändert: der hohen Altersarmut, der starken Belastung der jungen Generation und der Schieflage bei der Gerechtigkeit, so Fratzscher. So sei die empfohlene schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters zu langsam.

Die Vorsitzende des Wirtschaftsweisen-Gremiums, Schnitzer, lobte die Empfehlungen hingegen. An die Regierungsparteien appellierte Schnitzer im „Handelsblatt“, dass sie sich die Vorschläge zu eigen machen und damit das Rentensystem zukunftsfähig und generationengerechter gestalten sollten.


Diese Nachricht wurde am 22.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

Quelle: DLF, Handelsblatt