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WHO: Hitzeaktionspläne zum Schutz der Gesundheit: Leitfaden

02.07.2026

HITZEAKTIONSPLÄNE ZUM SCHUTZ DER GESUNDHEIT
Die vollständige Version des Dokuments ist erhältlich unter: Heat–health action plans:
guidance, second edition. Copenhagen: WHO Regional Office for Europe, 2026 (Link.
int/handle/10665/386265). License: CC BY-NC-SA 3.0 IGO.

Zusammenfassung
In dieser zweiten Ausgabe des WHO-Leitfadens für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen (HAP) zum Schutz der Gesundheit wird hervorgehoben, dass extreme Hitze (einschließlich Hitzewellen, ungewöhnlich heißer Tage und anderer Formen gefährlicher Hitze-Exposition) zu den unmittelbarsten und direktesten Gesundheitsbedrohungen als Folge des Klimawandels zählt.

Das Zusammenwirken von weltweit steigenden Temperaturen, der rapiden Urbanisierung und der Bevölkerungsalterung führt dazu, dass die Menschen sowohl stärker Hitze ausgesetzt sind als auch anfälliger für deren Auswirkungen werden.

Städtische Umgebungen mit begrenzten Grün- und Wasserflächen können die Hitze durch die Wirkung städtischer „Hitzeinseln“ zusätzlich verstärken. Zusammen führen diese Trends zu einer zunehmenden und ungleich verteilten Belastung durch hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle und unterstreichen die Notwendigkeit wirksamer
Präventions- und Vorsorgemaßnahmen.

Zu den Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko für Bedrohungen der Gesundheit durch extreme Hitze zählen ältere Erwachsene, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Schwangere, Neugeborene und Kinder, Arbeitnehmer, die Hitze ausgesetzt sind, sowie sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen.

HAP sind eine zentrale Reaktion des öffentlichen Gesundheitswesens auf diese Herausforderungen. Wenn sie gut konzipiert und umgesetzt werden, tragen sie dazu bei, die Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit zu antizipieren und Vorsorge dagegen zu treffen, gefährdete Bevölkerungsgruppen zu schützen, die Resilienz des
Gesundheitssystems zu stärken und vermeidbare Erkrankungen und Todesfälle zu reduzieren.

Umfang und Zweck
Diese zweite Ausgabe des Leitfadens bietet einen umsetzungsorientierten Rahmen für die Konzeption und Ausarbeitung von HAP anhand von acht Kernelementen, die die Bereiche Vorsorge, Aktivierung und Reaktion während extremer Hitzewellen sowie das Lernen und die Verbesserung in den Übergangszeiten abdecken. Der Leitfaden ist auf die Europäische Region der WHO zugeschnitten, berücksichtigt jedoch, dass viele der Herausforderungen und Ansätze auch für andere Regionen der Welt relevant sind. Der Leitfaden schreibt kein
einheitliches Modell vor, sondern soll an unterschiedliche nationale, subnationale und lokale Kontexte anpassbar sein. Er bietet keine umfassende Übersicht über die zugrunde liegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse, die separat verfügbar sind; stattdessen übersetzt er gesammelte Erkenntnisse und Umsetzungserfahrungen in praktische Maßnahmen und Entscheidungspunkte, um eine konsistente, chancengleiche und
wirksame Prävention und Reaktion auf hitzebedingte Gesundheitsrisiken zu unterstützen.

Der Leitfaden ermutigt die Nutzer, seinen Inhalt an ihren lokalen Kontext anzupassen und dabei spezifische Bedürfnisse, institutionelle Kapazitäten und verfügbare Ressourcen zu berücksichtigen. Er fördert einen Ansatz zur schrittweisen Umsetzung, bei dem die Nutzer mit wesentlichen, kontextgerechten Maßnahmen beginnen und diese Bemühungen im Lauf der Zeit sukzessive ausweiten, vertiefen und institutionalisieren können, sobald sich
Kapazitäten und Ressourcen weiterentwickeln.

Ziele
Die Ziele dieses Leitfadens bestehen darin, Länder dabei zu unterstützen:

• hitzebedingte Gesundheitsrisiken durch die Entwicklung von HAP oder den Ausbau und die Verbesserung bestehender HAP zu verringern und

• eine konsistente Umsetzung von HAP über Ressorts und Steuerungsebenen hinweg zu ermöglichen, indem praktische Instrumente und wichtige Entscheidungspunkte für koordiniertes Handeln bereitgestellt werden, um die Leistungsfähigkeit im Lauf der Zeit zu verbessern.

Seit der Veröffentlichung der ersten Ausgabe des Leitfadens zu HAP im Jahr 2008 wurden wichtige Fortschritte erzielt und eine Fülle wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie Erfahrungen bei der Umsetzung gesammelt. Viele Länder haben HAP etabliert, die sich insbesondere auf die Entwicklung und Umsetzung von Frühwarnsystemen und/oder deren Integration in HAP, eine verbesserte Risikokommunikation sowie gezielte Maßnahmen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen konzentrieren.

Gleichzeitig bestehen weiterhin Lücken. Die Einführung und Umsetzung von HAP verläuft uneinheitlich, insbesondere auf subnationaler und lokaler Ebene. Surveillance- und Evaluationssysteme sind oft schwach oder unterliegen Verzögerungen, und die Zuständigkeiten können auf verschiedene Ressorts und Institutionen verteilt sein, was die Rechenschaftspflichten vermindert. Längerfristige Präventionsmaßnahmen zur Verringerung der Hitzebelastung in städtischen Gebieten – die oft eine nachhaltige Zusammenarbeit mit den für die bebaute Umwelt und die Stadtplanung zuständigen Ressorts erfordern – werden weniger konsequent entwickelt oder mit Ressourcen ausgestattet. Dieser aktualisierte Leitfaden geht auf diese anhaltenden Lücken ein, indem er eine stärker operative, handlungsorientierte Ausrichtung bietet. Zudem stärkt und erweitert er die evidenzbasierten Maßnahmen für die Kernelemente eines HAP, die bereits gut entwickelt und weit verbreitet sind, und unterstützt so koordiniertes Handeln über Ressorts und Steuerungsebenen hinweg.

Methoden
Der Leitfaden wurde gemäß den Anforderungen für die Erstellung eines normativen operativen Produkts der WHO entwickelt, die festgelegte Steuerungs- und Überwachungsmechanismen für die Leitfadenerstellung, die fachliche Aufsicht und die externe fachliche Begutachtung umfassen.

Die Entwicklung der aktualisierten acht Kernelemente basiert auf Erkenntnissen aus einer systematischen Sichtung der Literatur, die 2021 vom WHO-Regionalbüro für Europa veröffentlicht wurde, ergänzt durch eine strukturierte Sichtung, die später erschienene Veröffentlichungen erfasste. Der Entwurf wurde anschließend in einem iterativen Prozess verfeinert, der fachliche Beiträge, gezielte manuelle Sichtungen der Fachliteratur sowie Erkenntnisse aus der Politik und der Umsetzungspraxis einbezog.

In den Jahren 2023 und 2024 wurden weitere systematische Literatursichtungen durchgeführt, um die Entwicklung der nutzerspezifischen Handlungshinweise und des Kompendiums von Gesundheitshinweisen für die Bevölkerung zu unterstützen. Mithilfe dieser Sichtungen wurden die besten verfügbaren Erkenntnisse zu wirksamen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz vor Hitze ermittelt. Diese wurden anschließend bewertet, zusammengefasst und in drei Bereiche unterteilt: Maßnahmen auf individueller, Dienste- und Systemebene, Maßnahmen für Dienste und Einrichtungen in den Bereichen Gesundheit und Soziales sowie Konzepte, Planung und Maßnahmen, die
ressortübergreifende Koordination erfordern.

An der Entwicklung des Leitfadens waren ein Kernprojektteam, eine Lenkungsgruppe, eine Beratergruppe, eine Gruppe zur Dokumentenerstellung und ein multidisziplinäres Team von Fachleuten beteiligt. Darauf folgte eine strukturierte, breit angelegte externe fachliche Begutachtung.

Bewährte Verfahren und Umsetzungsprioritäten bei HAP
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen bei der Umsetzung zeigen, dass wirksame
HAP gemeinsame Merkmale aufweisen: Sie sind funktionstüchtig (mit Warnungen, die
vordefinierte Maßnahmen auslösen), auf Chancengleichheit ausgerichtet (sie erreichen
Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko), ressortübergreifend und mehrstufig (über
das Gesundheitswesen hinaus koordiniert und lokal umgesetzt), kommunikationsbereit
(sie verfügen über zeitnahe, glaubwürdige und lokal angepasste Botschaften), institutionell
integriert (abgestimmt auf gesundheitspolitische und planerische Prozesse), angemessen
ausgestattet (gestützt durch nachhaltige Finanzierung und personelle Kapazitäten) und
lernorientiert (unter Einsatz von Surveillance und Monitoring, Evaluation und Lernen zur
Verbesserung zwischen den Jahreszeiten).

In der Praxis stärken die Länder die Umsetzung von HAP durch die Etablierung klarer
Steuerungs- und Rechenschaftsmechanismen, die auch entscheidend dazu beitragen,
eine angemessene Finanzierung für die Umsetzung und Evaluation sicherzustellen; durch
die Verknüpfung von gesundheitsbezogenen Hitze-Warnsystemen mit lokal geeigneten,
im Voraus vereinbarten Maßnahmen; durch die Gewährleistung, dass Schutzmaßnahmen
über nutzbare Durchführungswege in vorrangigen Umgebungen die besonders
gefährdeten Bevölkerungsgruppen erreichen; durch die Stärkung der Resilienz des
Gesundheitssystems; durch die Verringerung der Hitzebelastung in Innenräumen und
im Freien mittels koordinierter Maßnahmen mit relevanten Ressorts; sowie durch die
Einbettung von Evaluation und Lernen, um Schwellenwerte und Maßnahmen zwischen
den Jahreszeiten zu verfeinern.

Dieser Leitfaden operationalisiert diese Prioritäten durch acht Kernelemente (Teil 1) und
stellt einsatzbereite Instrumente für die Umsetzung und die Kommunikation bereit
(Teile 2 und 3).

Was der Leitfaden enthält
Teil 1 stellt den aktualisierten HAP-Rahmen mit acht Kernelementen vor und hebt
dabei zentrale Maßnahmen und Entscheidungspunkte für die Planung, Koordinierung,
Durchführung und Verbesserung von Maßnahmen zum Gesundheitsschutz bei Hitze
hervor (Abb. 1. Der HAP-Rahmen).

Kernelement 1 – Steuerung umfasst Regelungen für politisches Engagement,
institutionelle Rollen und Rechenschaftslegung, ressortübergreifende
Koordinierung sowie die Umsetzung auf mehreren Ebenen.

Kernelement 2 – Gesundheitsbezogenes Hitze-Warnsystem bezieht
sich auf die Entwicklung lokal angepasster Warnsysteme, die Wetter- und
Klimainformationen sowie -dienste nutzen, abgestufte Schwellenwerte
integrieren und in Maßnahmen umsetzbare Warnmeldungen auslösen –
einschließlich der Berücksichtigung relevanter Parallelexpositionen infolge
Luftverschmutzung und Vegetationsbränden, sofern zutreffend.

Kernelement 3 – Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko unterstützt die
Identifizierung von Bevölkerungsgruppen und Umfeldern mit höherem Risiko
(einschließlich älterer Erwachsener, Menschen mit chronischen Erkrankungen,
Schwangerer und Säuglinge, Schulkinder, Arbeitnehmer, die extremer Hitze
ausgesetzt sind, sowie sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen), um die
Entwicklung gezielter Maßnahmen und das Monitoring zu erleichtern.

Kernelement 4 – Kommunikation stärkt die Risikokommunikation, damit
Warnungen in Schutzmaßnahmen umgesetzt werden, unterstützt durch das
Kompendium von Gesundheitshinweisen für die Bevölkerung (Teil 3).

Kernelement 5 – Resilienz des Gesundheitssystems konzentriert sich auf die
Bereitstellung einer Strategie und eines Umsetzungsrahmens, gestützt durch
funktionstüchtige Pläne und Kontinuitätsvorkehrungen, die die Kernfunktionen
des Gesundheitssystems während extremer Hitzeereignisse schützen.

Kernelement 6 – Verringerung der Hitzebelastung beschreibt unmittelbare
und längerfristige Präventionsmaßnahmen für Haushalte, Gebäude und
Städte, die gemeinsam mit den für die bebaute Umwelt und die Infrastruktur
zuständigen Ressorts durchgeführt werden.

Kernelement 7 – Gesundheitsbezogene Hitze-Surveillance beschreibt Ansätze
für eine zeitnahe Surveillance, aus denen sich Reaktionen während Ereignissen
ableiten lassen und die den Lernerfolg zwischen den Jahreszeiten unterstützen
können, verbunden mit Mechanismen für Warnungen, die vordefinierte
Maßnahmen auslösen.

Kernelement 8 – Monitoring, Evaluation und Lernen legt dar, wie Auslöser
verfeinert werden können und wie die Umsetzung gestärkt und die Leistung des
HAP im Lauf der Zeit verbessert werden kann.


Teil 2 enthält gebrauchsfertige nutzerspezifische Handlungshinweise für vorrangige
Ressorts (einschließlich Gesundheits- und Sozialwesen, Arbeitswelt, pädagogische und
Kinderbetreuung sowie städtische und bebaute Umwelt), um die Umsetzung von HAP-
Prioritäten in wirksame Maßnahmen zu unterstützen.

Teil 3 bietet ein Kompendium von Gesundheitshinweisen für die Bevölkerung, das kurze,
gebrauchsfertige Mitteilungen enthält, die auf wichtige Zielgruppen und Umgebungen
zugeschnitten sind, um eine zeitnahe, konsistente und lokal angepasste Kommunikation
zu unterstützen, die auf lokale Warnschwellen und Reaktionsstufen abgestimmt ist.

Anhang 1 enthält Einzelheiten zu Maßnahmen zur Bewältigung der kombinierten
Belastung durch extreme Hitze und Vegetationsbrände; Anhang 2 enthält zusätzliche
Empfehlungen für Massenveranstaltungen während Perioden extremer Hitze; Anhang 3
beschreibt die Anzeichen und Symptome hitzebedingter Erkrankungen und wann
ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden sollte; und Anhang 4 enthält das Plakat für
die jährliche Kampagne #KeepCool der WHO.8